Bahnstreik nach fünf Tagen beendet: Zugverkehr angelaufen

07.09.2021 Die Züge rollen wieder: Nach der dritten Streikrunde der Lokführergewerkschaft GDL kehrt der Bahnverkehr in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zur Normalität zurück. Reisende können vorerst aufatmen. Doch der Tarifstreit geht weiter.

Ein Mann geht am Dresdner Hauptbahnhof über einen leeren Bahnsteig. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach dem Ende des dritten Streiks der Lokführergewerkschaft GDL können die Menschen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt mit einem fast normalen Bahnbetrieb rechnen. Am Dienstagvormittag habe es noch vereinzelt Verspätungen oder Zugausfälle im Regional- und Fernverkehr gegeben, bis zum Nachmittag sollte sich der Betrieb aber wieder normalisiert haben, sagte eine Bahnsprecherin auf Anfrage. Streikbedingte Ausfälle sollte es dann nicht mehr geben.

Kunden wird jedoch weiterhin empfohlen, sich vor Fahrtantritt über die Website, die App oder telefonisch zu informieren, ob ihr Zug wie geplant fährt. Als Nachwirkung des GDL-Streiks erwartet die Bahn allerdings eine sehr hohe Auslastung der Fernzüge und empfiehlt, einen Sitzplatz zu reservieren. «Der Dienstag und Mittwoch sind aber nicht die reisestärksten Tage, daher sollten die Züge nicht überfüllt sein», betonte die Bahnsprecherin.

Die Bahn war am frühen Dienstagmorgen zum regulären Fahrplan zurück. Der Streik der GDL ist damit nach fünf Tagen vorerst beendet. Ein Fazit wollen beide Seiten im Laufe des Dienstags ziehen. Die dritte und bislang längste Streikrunde im laufenden Tarifstreit hatte zu weitreichenden Einschränkungen im Güter- und Personenverkehr geführt.

Der nun beendete Streik dauerte 120 im Personen- und 129 Stunden im Güterverkehr. Er ist damit der zweitlängste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Mai 2015 hatte die GDL den Personenverkehr für 127 Stunden und den Güterverkehr für 138 Stunden nahezu lahmgelegt. Erst zwei Monate später kam in einer Schlichtung ein Tarifvertrag zustande.

Eine Annäherung der Tarifparteien ist unterdessen nicht in Sicht. Die GDL will vorerst aber auf weitere Streiks verzichten. GDL-Chef Klaus Weselsky sagte am Dienstag im Nachrichtenradio «MDR Aktuell», man drohe zum Ende eines Streiks nicht schon mit dem nächsten. «Man muss natürlich der anderen Seite auch ein stückweit etwas Zeit geben und Gelegenheit, sich zu korrigieren.» Weselsky setzt demnach auf eine Lösung. Hier sei auch der Bund als Eigentümer gefordert.

Gestritten wird außer über klassische Tariffragen über das Tarifeinheitsgesetz sowie den Einflussbereich der GDL im Konzern. Das Gesetz war 2015 in Kraft getreten. Es sieht vor, dass in einem Unternehmen mit mehreren Gewerkschaften nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung angewendet wird. In den meisten der rund 300 Betriebe der Bahn ist das aus Sicht des Konzerns die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.

Weselsky hatte kurz vor dem Ende des Streiks seine Forderung nach einem Angebot bekräftigt, das es der Gewerkschaft ermöglicht, einen Tarifvertrag für sämtliche Mitglieder in den verschiedenen Betrieben der Bahn abzuschließen.

Neben diesen Fragen geht es im Tarifstreit aber auch ums Geld. Die GDL fordert 3,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn hatte zuletzt eine Laufzeit von 36 Monaten angeboten und der Corona-Prämie zugestimmt. Gestritten wird zudem über die Altersvorsorge.

© dpa-infocom GmbH

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