Hunderte Gräber mit Beigaben auf der Königspfalz Helfta

25.08.2021 Gräber mit zahlreichen Beigaben, dazu eine eindrucksvolle Kirche, das ist die Ausbeute der Grabungssaison auf dem Gelände der wiederentdeckten Königspfalz Helfta bei Eisleben.

Archäologe Felix Biermann untersucht einen Sarkophag auf dem Gelände der einstigen Königspfalz Helfta. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Archäologen haben auf dem Gelände der wiederentdeckten Königspfalz Helfta bei Eisleben seit Mai über 300 Gräber aus dem 10 Jahrhundert freigelegt. «An Grabbeigaben gab es Fibeln, also Gewandnadeln unterschiedlicher Formen, Ohrringe und Beschläge von Gürteln», sagte Projektleiter und Archäologe Felix Biermann der Deutschen Presse-Agentur. «Das wird unsere Kenntnisse über die Zeit Kaiser Ottos des Großen (912-973) erweitern.»

Auffällig sind die vielen elitären Gräber, die hier gefunden wurden. Dazu zählt die gemauerte Gruft, in der eine Frau lag. «Die Frau war ganz sicher eine höher gestellte Person. Bei ihr lag eine kleine Fibel aus Bronze», sagte Biermann. Die Gruft wurde im Block geborgen. Das bedeutet: Die aus Steinen und Mörtel bestehende Gruft wurde aufwendig in Gips gegossen, verpackt und dann mit einem Kran komplett herausgehoben, verladen und in das Landesmuseum Halle gefahren.

«Nach den wissenschaftlichen Untersuchungen kann die Gruft in einer Ausstellung gezeigt werden», sagte Biermann. Insgesamt haben die Forscher zwölf Grüfte freigelegt. Ebenso wurde ein rund 1000 Jahre alter herrschaftlicher Sarkophag mit einem etwa vier bis fünf Jahre alten Kind entdeckt. Auch hier spricht alles für ein elitäres Kind aus einem Geschlecht aus der Ottonen-Zeit. Bei dem Kinderskelett lagen Fragmente eines Bleitäfelchens. Auch der Kindersarkophag soll in einer Ausstellung gezeigt werden.

Zudem wurden die Grundmauern einer großen Kirche Kaiser Ottos des Großen freigelegt. Die Kirche wurde vor 968 gegründet und existierte etwa 500 Jahre. «Das einstige außerordentlich prachtvolle Bauwerk wurde mindesten in zwei Phasen errichtet», sagte der Archäologe. «Die reichen Grabbeigaben sind nach der Ottonen-Zeit selten. Das zeigt, dass die Pfalzkirche in einer Umbruchzeit der Christianisierung existierte, in der noch alte Tradition wirkten und auch noch Stämme herrschten.»

Die Grabung wird am 3. September beendet. Biermann hofft auf die Weiterführung der Grabung im nächsten Jahr. «Um diesen Kontext zu erfassen, ist es wichtig, dass man hier weiter gräbt», sagt der Archäologe. Ziel sei es dann, den Königshof der Pfalz mit der spätmittelalterlichen Burg, die Wallanlagen und die Siedlung freizulegen.

Das Areal der Königspfalz auf dem Hügel «Kleine Klaus» wurden im Jahr 2009 wiederentdeckt. Der Kernbereich der Pfalz umfasst 12 Hektar.

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