Pandemie: Rund 2600 Schüler wiederholen freiwillig

25.08.2021 In der Pandemie ist viel Unterricht ausgefallen, nicht jeder kam mit dem Homeschooling gut zurecht. Sachsen-Anhalt bot die Möglichkeit, freiwillig ein Schuljahr zu wiederholen, ohne sitzenzubleiben. Wie wurde das angenommen?

Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Freiwillig eine Klasse wiederholen, ohne dass es auf die Verweildauer angerechnet wird: Von dieser besonderen Möglichkeit in der Pandemie machen zahlreiche Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt Gebrauch. Von rund 5700 Wiederholern nehmen knapp 2600 aus freien Stücken einen neuen Anlauf, wie aus einer Ad-hoc-Umfrage des Ministeriums für Bildung an den öffentlichen, allgemeinbildenden Schulen hervorgeht. Gut 3100 wiederholten aufgrund einer Nichtversetzung. Die Ergebnisse seien noch nicht abschließend, teilte eine Sprecherin mit, denn noch könnten Schüler sich für das freiwillige Wiederholen entscheiden. Die Schule startet in Sachsen-Anhalt Donnerstag kommender Woche wieder.

Im Jahr 2019 hatten an den allgemeinbildenden, öffentlichen Schulen des Landes knapp 3500 und 2020 rund 3170 Schülerinnen und Schüler wiederholt. Die Möglichkeit einer freiwilligen Wiederholung ohne Anrechnung auf die Gesamtverweildauer besteht nach derzeitiger Erlasslage nur für das Schuljahr 2020/2021, hieß es aus dem Ministerium. Eine freiwillige Wiederholung war auch vor der Pandemie möglich, wurde aber angerechnet.

Die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva Gerth, sieht in den Zahlen keine Dramatik, sondern eher eine Art Torschlusspanik. Die Wiederholer-Zahlen müssten im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl von knapp 200.000 betrachtet werden. Schüler und Eltern wüssten nicht, was sie im nächsten Schuljahr erwarte und hätten möglicherweise deshalb von der zunächst einmaligen Chance Gebrauch gemacht. Gerth riet aber zur Gelassenheit, verpasster Lernstoff lasse sich aufholen. Vertrauen in die Schule sei da gefragt. Gerth forderte, die Regelung für das freiwillige Wiederholen zu verlängern, ebenso die Mittel, die zum Aufholen von Lernrückständen zur Verfügung gestellt würden.

Wie die Ad-hoc-Umfrage zeigt, bilden die freiwilligen Wiederholer an den unterschiedlichen Schulformen verschieden große Anteile. An den Grundschulen etwa machen die Kinder, die von sich aus eine Klasse erneut angehen, rund 67 Prozent aus: Bei etwa 1380 Wiederholern insgesamt sind es gut 920 freiwillige. Der Vergleich mit den beiden Vorjahren zeigt einen deutlichen Anstieg: 2019 hatte es an den staatlichen Grundschulen 339 Wiederholer gegeben, im vergangenen Jahr dann 366.

Thekla Mayerhofer, Vorstandsvorsitzende des Grundschulverbandes Sachsen-Anhalt, sieht es als problematisch an, Kindern nach dem Kraftakt des Homeschoolings mit all den Anstrengungen das Signal zu geben, es habe nicht gereicht. Deutlich wird aus ihrer Sicht der Druck, der auf den Familien laste. Eltern hätten Angst, dass ihre Kinder nicht genug gelernt hätten. Vielmehr hätte sich Mayerhofer mehr Lösungen vonseiten der Erwachsenen, der Politik und Schulen gewünscht. So hätte etwa das System der flexiblen Schuleingangsphase - die ersten beiden Schuljahre können wahlweise in ein, zwei oder drei Jahren absolviert werden - auch auf die Klassen drei und vier übertragen werden können.

Auch an den Gymnasien gibt es deutlich mehr Wiederholer: Nach rund 500 in den beiden Vorjahren sind es laut der Ad-hoc-Umfrage des Ministeriums in diesem Jahr etwa 1270, davon 490 freiwillige Wiederholer. Damit machen diese einen Anteil von knapp 39 Prozent aus.

An den Förderschulen liegt der Anteil freiwilliger Wiederholer mit Abstand am höchsten - von 377 Wiederholern sind 330 freiwillig, wie laut Ministerium aus der Umfrage hervorgeht. Das entspreche rund 88 Prozent. Der Statistik zufolge waren 2020 insgesamt rund 200 Wiederholer an den Förderschulen erfasst worden. In den Sekundarschulen liegt der Anteil der freiwilligen Wiederholer bei knapp einem Drittel, an den Gemeinschaftsschulen bei gut 31 Prozent und an den Gesamtschulen bei knapp 25 Prozent.

Felix Schopf vom Landesschülerrat hätte mit höheren Wiederholerzahlen gerechnet. Er sagte, die Bewertung der Leistungen im Homeschooling sei schwierig gewesen. Besonderes Augenmerk müsse weiter auf die Abschlussjahrgänge gelegt werden.

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