Schau mit neuen Erkenntnissen zur Himmelsscheibe von Nebra

03.05.2021 Die Himmelsscheibe hat rund 20 Jahre nach ihrer Rettung nichts an Faszination verloren. Im Juni öffnet die Jubiläumsschau mit neuen Forschungsergebnissen. Die Welt der Bronzezeit vor rund 4000 Jahren wird mit einzigartigen Stücken in Szene gesetzt.

Ein Archäologe hält im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sogenannte Spangenbarren in den Händen. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eine Landesausstellung in Halle soll ab Juni an die Rettung der Himmelsscheibe von Nebra erinnern - und neue Erkenntnisse präsentieren. Am 23. Februar 2002 war das wertvolle Artefakt im schweizerischen Basel aus den Fängen von Hehlern gerettet worden. «Präsentiert wird der neueste Stand der Forschung», sagte Landesarchäologe Harald Meller. «Dazu zählen Erkenntnisse zum Fernhandel, gesellschaftlichen Eliten, Glaubensvorstellungen, monumentalen Grab- und Ritualbauten und Ergebnisse der Genetik.»

Unter dem Motto «Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra - Neue Horizonte» sollen vom 4. Juni bis zum 9. Januar 2022 rund 400 Ausstellungsstücke im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen sein. Ein Kooperationsvertrag mit dem British Museum sieht vor, die Himmelsscheibe anschließend in London zu zeigen. Im Gegenzug werden bei der anstehenden Landesausstellung hochrangige Leihgaben aus London in Halle zu sehen sein. «Insgesamt gibt es 54 Leihgeber aus 14 Ländern», sagte Archäologe Jan-Heinrich Bunnefeld. «Jetzt ist die erste Leihgabe von 50 Spangenbarren aus Kupfer eingetroffen.»

Im Frühjahr 2014 waren insgesamt 796 Spangenbarren, etwa 3600 bis 3700 Jahre alt, im bayrischen Oberding, etwa 40 Kilometer von München entfernt, bei einer Grabung entdeckt worden. «Sie lagen in Zehner-Bündeln mit Bast umbunden, Bastreste waren noch erhalten. Jedes Bündel wiegt ungefähr ein Kilogramm.» Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich hierbei um die älteste Form des Dezimalsystems handelt. Möglicherweise wurden die Barren als Tauschobjekt in einer Art Geldwert verwendet. «Bruchstellen an einzelnen Barren sind mit einer Manschette repariert worden. Den Menschen kam es wohl darauf an, dass die Spanngenbarren in ihrer ursprünglichen Form bleiben», sagte Bunnefeld.

Im Laufe der nächsten Wochen werden weitere Leihgaben erwartet. Darunter aus London das goldene «Mold Cape» (Wales). Der 1833 entdeckte Goldumhang aus 23-karätigem Gold, 3600 bis 3900 Jahre alt, wurde in Stücken in einer Steinkiste entdeckt, zusammen mit den Knochen eines Mannes. Das «Mold Cape» wiegt etwa ein Kilogramm und gilt als der berühmteste bronzezeitliche Fund Großbritanniens. Auch der Goldhut von Schifferstadt, 3300 bis 3400 Jahre alt, und Grabfunde aus den Schachtgräbern im griechischen Mykene werden zu sehen sein.

Die mehr als 3600 Jahre alte bronzene Himmelsscheibe von Nebra mit Goldauflagen gehört zu einem Bronzeschatz, den Sondengänger im Sommer 1999 gefunden hatten. Die Himmelsscheibe gilt als weltweit älteste bisher bekannte, konkrete Darstellung astronomischer Phänomene.

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