Mehr Kinder und Jugendliche brauchen Psychotherapeuten

28.04.2021 Immer mehr Kinder und Jugendliche in Sachsen-Anhalt brauchen eine psychotherapeutische Behandlung. Sie zeigten beispielsweise Reaktionen auf starke Belastungen, Angststörungen oder Depressionen, teilte die Barmer Krankenkasse am Mittwoch in Magdeburg mit. Demnach benötigten im Jahr 2019 rund 16 000 Kinder und Jugendliche in Sachsen-Anhalt psychotherapeutische Hilfe, im Jahr 2009 seien es noch rund 5100 gewesen. Der Anstieg liege damit bei 214 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf Menschen im Alter bis 24 Jahre.

Eine Person sitzt vor einem Fenster. Foto: Sina Schuldt/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen-Anhalt, Axel Wiedemann, betonte mit Blick auf den starken Zuwachs: Zum einen sei die Hilfestellung durch Psychotherapeuten zwischenzeitlich gesellschaftlich akzeptiert. Zum anderen sei der Zugang durch eine Reform im Jahr 2017 erleichtert worden. Die Zahl der Therapeuten im Land, die sich um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen kümmerten, habe sich zwischen 2009 und 2019 von 71 auf rund 115 erhöht. Wer die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch nehmen wolle, müsse allerdings mit Wartezeiten von drei Monaten und mehr rechnen.

Zahlen zu den Psychotherapien für 2020, die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Lockdowns widerspiegeln, liegen laut Wiedemann noch nicht vor. Eine Umfrage der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK) unter den Kolleginnen und Kollegen im März 2021 bietet ein Schlaglicht: Demnach verzeichneten 80 Prozent der Antwortenden eine deutlich gestiegene Nachfrage, wie die Magdeburger Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und OPK-Vorstandsmitglied Barbara Breuer-Radbruch sagte.

Den Antworten zufolge gebe es mehr Probleme mit Schulverweigerung, Lernproblemen und Schulängsten. Isolation, Einsamkeit und familiäre Probleme tauchten häufiger auf, ebenso depressive Entwicklungen bei jugendlichen Patienten. Symptome, die ohnehin da seien, verschlechterten sich. Dazu gehörten Depressionen, Ängste und Essstörungen. Oft kämen neue Ängste hinzu. Insbesondere kämen mehr 14- bis 17-Jährige in die Praxen.

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