Corona-Zahlen im Land steigen - DJs protestieren mit Musik

11.04.2021 In Sachsen-Anhalt ist das Corona-Infektionsgeschehen über das Wochenende stärker geworden. Die Zahlen steigen. In der Altmark verschaffen sich unterdessen DJs Gehör, im Harz gibt es draußen wieder Kännchen.

Jan Döbbelin legt als DJ in einer Toreinfahrt in der Neutorstraße in Salzwedel auf. Foto: Heiko Rebsch/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Sachsen-Anhalt hat sich das Corona-Infektionsgeschehen am Wochenende nach Ostern verschärft. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen stieg laut Robert Koch-Institut von 129,4 am Freitagmorgen auf 159,2 am Sonntagmorgen. Das höchste Infektionsgeschehen wiesen die Daten am Sonntag für den Burgenlandkreis (263,4) aus, gefolgt vom Landkreis Stendal (204,2) und der Stadt Halle (199,4). Den landesweit niedrigsten Wert hatte mit 85,8 gemeldeten Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen der Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Über das Wochenende meldete das RKI landesweit 39 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus.

Dem Sozialministerium in Magdeburg zufolge waren am Sonntag 334 108 Menschen erstmals in Impfzentren geimpft, 114 508 bereits zum zweiten Mal. Hinzu kämen Impfungen in Arztpraxen. Die Quote lag bei den Erstimpfungen bei 15,7 Prozent und bei 5,1 Prozent bei den Zweitimpfungen. 128 Intensivbetten seien derzeit mit Corona-Patienten belegt, 64 von ihnen würden beatmet.

Unterdessen haben in der Altmarkstadt Salzwedel am Samstag 15 DJs unter freiem Himmel eine Stunde lang Musik aufgelegt. Auch ein Gesangsduo beteiligte sich an der Protestaktion unter dem Motto «Wir werden laut». Damit wollten die Teilnehmer auf die schwierige Lage ihrer Branche in der Corona-Krise aufmerksam machen. Ihrer Überzeugung nach wäre es möglich, mit guten Hygienekonzepten Restaurants, Diskotheken, Kneipen, Clubs und Bars wieder zu öffnen. Die Polizei in Salzwedel gab am Sonntag an, dass bis zu 250 Menschen die Auftritte an verschiedenen Orten in der Innenstadt verfolgt hätten. Kontrollen hätten keine Verstöße gegen die geltenden Corona-Regeln ergeben.

Das am Freitag an mehreren Orten im Harz gestartete Gastronomie-Modellprojekt in der Corona-Pandemie ist nach Angaben von teilnehmenden Betrieben über das Wochenende von den Gästen gut angenommen worden. Viele Tische und Stühle der Außenbereiche von Cafés und Restaurants seien besetzt gewesen, ergab eine Umfrage unter einigen Beteiligten am Sonntag. Nach einem wetterbedingt verhaltenen Start sei die Auslastung am milden Sonntag gut bis sehr gut gewesen. «Ich habe mit 80 Plätzen am Freitag angefangen und am Sonntag auf 120 aufstocken müssen», sagte Café-Inhaber Michael Wiecker aus Wernigerode. Gut gingen Eisbecher und Kuchen, aber auch die ersten Spargelgerichte hätten den Gästen gemundet. «Wir haben Decken, Sitzkissen und Heizstrahler draußen.»

Wer die Tasse Kaffee und das Stück Kuchen unter freiem Himmel genießen wollte, musste sich zuvor auf das Coronavirus testen lassen. Nur mit einem aktuellen digitalen oder analogen Negativnachweis gab es einen Sitzplatz bei den beteiligten Betrieben in neun Harzer Kommunen. Voraussetzungen sind außerdem eine Inzidenz in der betroffenen Kommune von unter 200 und die Kontaktverfolgbarkeit. Das Modellprojekt im Harz endet laut Landkreis am 30. April.

So ein Modellprojekt könne nur ein erster Schritt für die Branche sein, um selbst wieder eine Perspektive zu bekommen, sagte Michael Schmidt, Landeschef des Branchenverbandes Dehoga am Sonntag. «Da ist viel Enthusiasmus. Viele öffnen, um endlich wieder ihrer selbstständigen Tätigkeit nachgehen zu können», sagte er. Die Wirtschaftlichkeit sei hingegen fraglich. «Außengastronomie steht und fällt mit dem Wetter. Eingekauft werden muss aber trotzdem.» Die Politik müsse nun für alle Branchenbetriebe Perspektiven schaffen.

Keine Chance hatten Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen, die in Leipzig und Halle protestieren wollten. Die Versammlungen am Samstag wurden untersagt, und die Verbote von der Polizei mit einem Großaufgebot durchgesetzt. Nach Angaben der Polizei in Halle vom Sonntag waren am späten Samstagnachmittag mehr als 100 Menschen auf dem Marktplatz gekommen, um zu protestieren. Die Polizei sei eingeschritten und habe die Versammlung aufgelöst.

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