Hausärzte steigen in die Impfkampagne ein

06.04.2021 Hausärzte können ab sofort erste Patienten gegen Corona impfen. Die Auslieferung läuft nach Angaben der Apotheken reibungslos. Klappt alles wie geplant, könnte Sachsen-Anhalt im Sommer durchgeimpft sein, sagt der Hausärzteverband.

Eine Laborantin hält einen Corona-Test in der Hand. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Knapp dreieinhalb Monate nach der ersten Corona-Impfung in Sachsen-Anhalt steigen die Hausärzte in die Impfkampagne ein: Die ersten Dosen des Präparats von Biontech sind am Dienstag an die Hausärzte ausgeliefert worden. «Es hat wirklich alles so geklappt wie angekündigt», sagte der Chef des Landesapothekerverbandes, Mathias Arnold, am Dienstagnachmittag der Deutschen Presse-Agentur. Er habe gerade die ersten Dosen an zwei Hausärzte in Halle ausgeliefert, sagte der Apotheker.

Anders als die direkt vom Land belieferten Impfzentren bekommen die Hausärzte den Corona-Impfstoff, wie alle anderen Impfstoffe, über den Großhandel und die Apotheken. Die verfügbare Menge wird dann unter den Hausärzten aufgeteilt. Mit der ersten Lieferung am Dienstag bekamen die Hausärztinnen und Hausärzte nur zwischen 12 und 48 Dosen. «Die sind jetzt bis Samstagmorgen haltbar», erklärte Arnold. In den kommenden Wochen soll Biontech deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung stellen.

Wie viele der bundesweit rund eine Million Impfdosen der ersten Lieferung an Deutschlands Hausärzte nach Sachsen-Anhalt gingen, ist unklar. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) schätzt, dass landesweit rund 1000 beliefert wurden, mit durchschnittlich 24 Dosen pro Arzt. In den kommenden Wochen sollen neben den Haus- auch die ersten Fachärzte mit Impfstoff beliefert werden. «Ende April erwarten wir insgesamt deutlich mehr Impfstoff in den Praxen, um die Impfkampagne weiter beschleunigen zu können», sagte Heike Liensdorf von der KV am Dienstag. Neben Biontech soll dann auch Astrazeneca-Impfstoff an die Haus- und Fachärzte gehen.

Die ersten Hausärzte impften unmittelbar nach der Lieferung los, darunter Holger Fischer, Vorstand beim Hausärzteverband Sachsen-Anhalt. «Wir haben direkt eine Ampulle aufgezogen und die ersten sechs Dosen verimpft», sagte Fischer am frühen Abend. Die ersten sechs Patienten, die er geimpft hat, waren Hochrisikopatienten mit Diabetis, Gefäßkrankheiten oder Lungenkrankheiten. Alle waren unter 65. Seine älteren Patienten will Fischer mit Astrazeneca impfen, das in den kommenden Wochen auch an die Hausärzte geliefert werden soll. Einige Hausärzte in Halle und Magdeburg wollten ebenfalls noch am Dienstag mit den Impfungen beginnen.

Fischer begrüßte ausdrücklich, dass nun auch niedergelassene Ärzte impfen dürfen. Das Impfen in den Praxen erfordere deutlich weniger Bürokratie als die Verfahren in den Impfzentren. Die Hausärzte könnten am Ende eines Tages außerdem leichter Nachrücker für übrig gebliebene Impfdosen finden, da der Kontakt zu allen Impfkandidaten ohnehin bestehe.

Die Hausärzte hätten im vergangenen Herbst binnen sechs Wochen mehr als ein Drittel der Bevölkerung gegen Grippe geimpft, das zeige das große Potenzial der Praxen. Es sei bedauerlich, dass diese großen Kapazitäten erst jetzt in die Impfkampagne eingebunden würden. Wenn die Hersteller die angekündigten Lieferungen einhalten, könnte Sachsen-Anhalt laut Fischer bis zum Sommer die angepeilte Impfquote von 70 Prozent erreichen. «Bis zu den Sommerferien wäre ich gern fertig», sagte Fischer.

Davon ist Sachsen-Anhalt derzeit noch weit entfernt: Am Dienstag hatten laut Gesundheitsministerium 13,1 Prozent der Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter ihre Erstimpfung bekommen, 4,8 Prozent waren vollständig geimpft.

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