Leuna: Rund 2,2 Milliarden Euro an Investitionen geplant

13.03.2021 Der Industriestandort in Sachsen-Anhalt gilt als ein Beispiel für die grundlegende Modernisierung der ostdeutschen Chemie. Die Branche braucht viele Energie. Und setzt auf neue Quellen.

Der Chemiestandort Leuna. Foto: ---/Infraleuna/dpa/Handout © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein Chemiestandort im Wandel: Dafür sind in Leuna bis 2022 mehrere Großinvestitionen geplant. «Wir werden uns so stark verändern und wachsen wie noch nie seit der Privatisierung in den 1990er Jahren», sagte Christof Günther, Geschäftsführer der Infrastrukturgesellschaft Infraleuna GmbH. Die Weichen dafür seien Investitionen in die Rohstoffbasis. Dies sei verbunden mit neuen Technologien, etwa der Wasserstofftechnik. «Im Zeitraum von 2014 bis 2022/2023 werden wir dann weitere rund 2,2 Milliarden Euro investiert haben», sagte er. Dazu gehört der Bau einer Bioraffinerie des finnischen Unternehmens UPM (Helsinki). Rund 220 neue Jobs sollen damit entstehen.

Im Wettbewerb um den Bau der rund 550 Millionen Euro teuren Bioraffinerie habe sich Leuna gegenüber anderen Standorten der Branche in Deutschland durchgesetzt, sagte Günther. Nach Ansicht von Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut (Niederlassung Dresden) hat die ostdeutsche Chemie einen erfolgreichen Wandel seit 1990 vollzogen und sei heute wettbewerbsfähig. «Es fehlt aber noch an Forschung», sagte er. Weltweit agierende Konzerne hätten in Ostdeutschland meist Produktionsstätten, die Forschung aber am Hauptsitz gelassen, sagte Ragnitz.

Ab 2022 sollen in Leuna in der neuen Raffinerie Biochemikalien aus nachhaltig erwirtschaftetem Laubholz, vor allem Buchenholz, gewonnen werden, bis zu 220 000 Tonnen im Jahr. Die Standortgesellschaft Infraleuna bereite den Weg dafür, sagte Günther. So werde etwa in die Lagerflächen für Holz auf dem Gelände eines einstigen Kohlelagerplatzes investiert. In Leuna (Saalekreis) war das letzte Kohlekraftwerk 1995 vom Netz gegangen. Seither sind Gas und Öl die primären Rohstoffe. Mit den Biochemikalien aus der neuen Raffinerie können unter anderem Getränkeflaschen hergestellt werden.

Ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem nachhaltigen Chemiestandort sei grüner Wasserstoff, erklärte Günther. Rund 60 Millionen Euro werden dafür in Leuna in eine Anlage der Linde AG investiert. Diese soll ab Sommer 2022 schrittweise in Betrieb gehen und 3200 Tonnen Wasserstoff mit zertifiziertem Ökostrom pro Jahr herstellen. Sachsen-Anhalt will sich nach den Plänen der Landesregierung zu einer Wasserstoff-Modellregion entwickeln. Dazu gehören Forschungen der Fraunhofer-Gesellschaft in Leuna.

Wasserstoff gilt als ein Hoffnungsträger. Für die Chemie, die viel und verlässlich Energie für die Produktion benötige, seien Investitionen und Forschungen in diesem Bereich ein erfolgversprechender Ansatz, sagte Ragnitz. Wasserstoff wird durch die Zerlegung von Wasser und Sauerstoff mittels Elektrolyse erzeugt. Dafür wird Strom benötigt. Um den sogenannten grünen Wasserstoff produzieren zu können, muss dieser Strom auf Basis erneuerbarer Energie hergestellt werden, wie Solar- und Windkraft, statt wie bisher meist mit Hilfe von Erdgas oder Erdöl.

Am Chemiestandort Leuna sind heute rund 10 000 Menschen beschäftigt, rund 100 Firmen ansässig. Nach 1990 wurde das einstige Großkombinat mit Mitteln des Bundes, Landes und der EU in Milliardenhöhe umstrukturiert. Dies war verbunden mit dem Abbau Tausender Arbeitsplätze. In Leuna wurde auf der grünen Wiese zudem eine Erdöl-Raffinerie gebaut, in der Kraftstoffe hergestellt werden.

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