BGH klärt: Mietanpassung für Unternehmer bei Corona-Lockdown

01.12.2021 Die Geschäftsschließungen in der Pandemie haben viele Einzelhändler in finanzielle Bedrängnis gebracht: Mit einem Schlag alle Kunden weg - aber der Mietvertrag läuft trotzdem weiter. Jetzt prüft Karlsruhe, ob sie das Risiko allein schultern müssen.

Die Sitzbereiche eines Biergartens sind mit Band abgesperrt. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Corona-Lockdown brachen vielen Geschäften von einem Tag auf den anderen die Einnahmen weg - mussten sie trotzdem weiter die volle Miete zahlen? Das klären die obersten Zivilrichterinnen und -richter des Bundesgerichtshofs (BGH) heute in einem Musterfall aus Sachsen.

Seit dem Jahreswechsel 2020/21 ist gesetzlich klargestellt, dass gewerbliche Mieter eine Anpassung ihres Mietvertrags verlangen können, wenn sie wegen Corona-Maßnahmen schließen müssen oder ihr Geschäft nur mit starken Einschränkungen öffnen dürfen. Grundlage ist Paragraf 313 im Bürgerlichen Gesetzbuch, in dem die sogenannte Störung der Geschäftsgrundlage geregelt ist. Damit ist gemeint, dass Mieter und Vermieter den Vertrag nie so geschlossen hätten, wenn ihnen klargewesen wäre, was die Zukunft bringt.

Das bedeutet aber nicht, dass Geschäftsinhaber automatisch Anspruch darauf haben, dass der Vermieter ihnen einen Teil der Miete erlässt. Jeder einzelne Fall muss geprüft werden. Es ist außerdem genauso möglich, dass der Vermieter nur einen Aufschub gewährt, also die fällige Miete stundet, aber nicht auf das Geld verzichtet. Der Handelsverband Deutschland geht deshalb davon aus, dass das BGH-Urteil erhebliche Auswirkungen haben wird.

In dem Fall geht es um eine Filiale des Textil-Discounters Kik im Raum Chemnitz, die von den Geschäftsschließungen in Sachsen von 19. März bis 19. April 2020 betroffen war. Der Vermieter will für die Zeit die volle Miete von rund 7850 Euro. Das Oberlandesgericht Dresden hatte entschieden, dass Kik nur knapp die Hälfte zahlen muss. Es gehe hier nicht um ein «normales» Risiko, «sondern um weitgehende staatliche Eingriffe in das soziale und wirtschaftliche Leben aufgrund einer Pandemie». Das Risiko einer solchen Systemkrise könne nicht einer Vertragspartei allein zugewiesen werden.

Dagegen haben beide Seiten Revision in Karlsruhe eingelegt. Ob es nach der Verhandlung gleich ein Urteil gibt, ist offen. Die Richter können dafür auch einen Extra-Termin ansetzen. (Az. XII ZR 8/21)

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Tv & kino

Filmfestival: Neuer Film von Andreas Dresen auf der Berlinale

Sport news

Handball-Europameisterschaft: DHB-Team vor Spanien-Spiel mit weiteren Corona-Fällen

Internet news & surftipps

Pandemie: Omikron-Welle stellt Corona-Warn-App auf den Prüfstand

Wohnen

Kaufpreise und Bauzinsen: Immobilien werden Experten zufolge weiterhin teurer

Auto news

Erstmals über 1,60 Euro: Deutsche wollen Auto wegen Dieselpreisen stehen lassen

Das beste netz deutschlands

Für iPhone und iPad: Angesagte iOS-Apps: Campingurlaub planen und Bilder teilen

People news

Fliegen: Rekordversuch: Junge Pilotin landet bei Frankfurt

Das beste netz deutschlands

Beliebt bei iOS-Spielern: Eintauchen in bekannte Trickfilmwelt: Top-Games der Woche

Empfehlungen der Redaktion

Regional sachsen

Bundesgerichtshof entscheidet zu Mietzahlungen im Lockdown

Wirtschaft

Prozesse: BGH: Bei Geschäftsmiete im Lockdown keine Pauschallösung

Wirtschaft

Corona-Pandemie: Anspruch auf Mietanpassung für Geschäftstreibende möglich

Regional sachsen

BGH: Keine Pauschallösung bei Geschäftsmiete im Lockdown

Regional sachsen

BGH: Keine Regel für gewerbliche Mietzahlungen im Lockdown

Job & geld

Urteil: Absage von Schloss-Hochzeit: Steht Vermieter Ausgleich zu?

Wirtschaft

Urteil: BGH: Mieter müssen Kosten für Baumfällarbeiten mittragen

Wohnen

BGH-Urteil: Mieter müssen Kosten für Baumfällarbeiten mittragen