EU-Kommissar: Dresden wichtig für Halbleiterstrategie

12.11.2021 Halbleiter für Mikrochips werden händeringend gesucht, weltweit, und längst nicht nur in der Autoindustrie. Sachsen könnte bei der Lösung des Problems eine Schlüsselrolle spielen - und setzt dafür auch auf Hilfe aus der EU.

EU-Kommissar Breton (l) spricht vor der Halbleiterfabrik von Bosch neben Ministerpräsident Kretschmer. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Region Dresden kommt nach Ansicht des für Binnenmarkt zuständigen EU-Kommissars Thierry Breton eine «sehr wichtige Rolle» bei der europäischen Halbleiterperspektive zu. Mit Blick auf die Ansiedlung großer Chiphersteller seien die Europäische Union und Sachsen ein «fantastischer Kandidat», sagte Breton am Freitag nach einem Besuch im Halbleiterwerk von Bosch in Dresden. In der sächsischen Landeshauptstand macht man sich derzeit Hoffnung, Standort eines Werkes von Intel zu werden.

Sein Besuch führte Breton am Freitag mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sowie mit Vertretern von Herstellern wie Globalfoundries, Infineon und dem Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme zusammen. Dabei ging es vor allem um den «European Chips Act», der die Produktion modernster Halbleiter in Europa steigern soll. Das Ziel besteht darin, Europas Weltmarktanteil für Halbleiter bis 2030 von aktuell unter 10 Prozent auf 20 Prozent zu verdoppeln.

Breton erinnerte daran, dass es auch in den USA und in Asien vergleichbare Werkzeuge zur Forcierung der Produktion gibt. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte ein europäisches Chipgesetz in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union unlängst angekündigt. «Wir wissen, dass wir noch eine Menge in Europa zu tun haben», sagte Breton, gab sich aber zuversichtlich. Man werde definitiv die Kapazitäten zur Herstellung von Halbleitern in Europa erweitern.

«Man spürt es überall: Mikrochips sind Mangelwaren», sagte Kretschmer. Die Autoindustrie können nicht wie gewünscht produzieren, dadurch seien Exportprobleme entstanden. Bretons Besuch in Dresden gebe dem Standort Rückenwind. Ohne die Europäische Union wäre dieser Standortes so nicht möglich gewesen. «Dass wir heute von Dresden aus in diesem wichtigen Zukunftsfeld mitwirken können, dass von Dresden aus die Zukunft der Mikroelektronik für Europa mitgestaltet wird, macht uns stolz.»

Der Branchenverband Silicon Saxony forderte mehr Tempo bei der Umsetzung der Strategie. «Nie war die Situation in Europa besser als heute, wieder einen signifikanten Anteil zum Weltmarkt beizusteuern und einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren. Die politischen Ambitionen sind selbstbewusst, die Auftragsbücher auf Jahre hin voll, der Hunger nach Halbleiterinnovationen groß», erklärte Vorstand Yvonne Keil. Umso mehr gelte es nun, die Umsetzungsgeschwindigkeit «dramatisch zu beschleunigen». Die Industrie in Europa brauche jetzt eine verbindliche Zusage über eine öffentliche Kofinanzierung. Nur so habe sie Argumente, um die Investitionen für Kapazitätserweiterungen in Europa zu sichern.

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