Corona-Lage in Sachsen spitzt sich zu: Impfteams überlastet

08.11.2021 Die vierte Corona-Welle hat Sachsen fest im Griff. Seit Montag ist das Land wieder Spitzenreiter bei der Wocheninzidenz und steht mit dem Landkreis Sächsische Schweiz-Ostererzgebirge auch bei den Regionen ganz oben.

Ein Patient liegt auf einer Intensivstation in einem Zimmer. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Sachsen wächst die Sorge, dass die Corona- Pandemie außer Kontrolle gerät. Mit einer Wocheninzidenz von 491,3 nahm der Freistaat am Montag die Spitzenposition in Deutschland ein. Für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge meldete das Robert Koch-Institut 924,3 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Landrat Michael Geisler (CDU) rechnete damit, dass die Marke von 1000 schon am Dienstag oder Mittwoch überschritten wird.

Derweil spitzt sich die Lage in den Krankenhäusern immer mehr zu. Neben dem Klinikum Chemnitz verhängten weitere Krankenhäuser im Freistaat ein Besuchsverbot. In der derzeitigen Lage gelte es, Patienten und Mitarbeiter so gut wie möglich zu schützen, um die medizinische Versorgung für die Region aufrechterhalten zu können, erklärte der Ärztliche Direktor Ralf Steinmeier am Montag in Chemnitz.

Die größte Herausforderung liege beim Pflegepersonal, hieß es in Chemnitz. Da die Versorgung von Covid-Patienten einen höheren Personaleinsatz erfordere, müssten mehr Mitarbeiter für diesen Bereich zur Verfügung gestellt werden. «Dies ist nur mit Einschränkungen bei einem Teil der elektiven, also planbaren, Patientenbehandlungen verbunden. Erste Stationen wurden auf die Versorgung von Covid-Patienten umgestellt. Das OP-Programm wurde auf 80 Prozent reduziert.»

Aktuell sind in sächsischen Krankenhäusern 1061 Normalbetten und 268 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Damit ist die Alarmstufe bei weitem überschritten.

Um auf die Situation zu reagieren, gilt ab Montag in Sachsen für Teile des öffentlichen Lebens die 2G-Regel. Demnach haben nur noch Geimpfte und Genesene Zugang etwa zu Gaststätten, Bars, Diskotheken und Kultureinrichtungen. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte die Entscheidung kritisiert und sieht darin einen «weiteren Rückschlag für die ohnehin gebeutelte Branche». «2G verschärft die Not der Gastronomie», erklärte Hauptgeschäftsführer Axel Klein: «Wir rechnen mit großen Umsatzeinbußen, insbesondere im Weihnachtsgeschäft.»

Bei einigen Gastwirten herrscht Unmut - manche lassen angesichts der neuen Regeln ihre Cafés und Rstaurants geschlossen. «Ich möchte keinen draußen lasse. Wir möchten Gastgeber für alle sein. Und wenn wir das nicht können, dann wollen wir lieber gar kein Gastgeber sein», sagte etwa die Inhaberin von Caro's Diner in Plauen, Caroline Pflug, auf Anfrage. Man müsse bei einer solchen Entscheidung die menschliche als auch die wirtschaftliche Seite betrachten. Da ihr Restaurant einen Lieferservice habe, hoffe sie gut durch die Pandemie zu kommen. Zugleich äußerte Pflug ihr Unverständnis, warum nicht weiter die 3G-Regel gilt, womit Geimpfte, Genesene und Getestete in die Gaststätte durften.

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hatte eingeräumt, dass es nicht gelungen sei, einen Schutzwall an Geimpften aufzubauen. Sachsen hat bundesweit die schlechteste Impfquote. Im Freistaat sind nur 59,1 Prozent der Menschen einmal und 57,1 Prozent doppelt geimpft.

Die 30 Mobilen Impfteams in Sachsen arbeiten nach Einschätzung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Belastungsgrenze. Die Teams seien flächendeckend über ihre Kapazitätsgrenze hinaus im Einsatz, sagte DRK-Sprecher Kai Kranich am Montag auf Anfrage. Man habe insgesamt 3000 Impfungen pro Tag geplant, am vergangenen Samstag seien es 4500 gewesen.

Die Linken forderten wegen der großen Nachfrage nach Booster- Impfungen, die früheren Impfzentren wieder zu öffnen. «Es war ein Fehler, dass die Staatsregierung sämtliche Impfzentren so früh geschlossen hat. Sie müssen jetzt so schnell wie möglich reaktiviert werden», erklärte Parteichefin Susanne Schaper.

Das Landratsamt Sächsische Schweiz-Ostererzgebirge will trotz der bundesweit höchsten Wocheninzidenz einen Lockdown verhindern. Darauf sei jetzt das gesamte Handeln ausgerichtet, sagte Landrat Geisler in Pirna. Schnell werde sich die Lage aber nicht entspannen. Laut Geisler liegt die Impfquote im Landkreis nur bei 51 Prozent. Das sei keine Quote, mit der man einer Pandemie begegnen könne.

Hilfe erhofft sich der Landkreis nun unter anderem von der Bundeswehr bei der Kontaktnachfolge und vom Land Sachsen bei der Beschaffung von Impfstoff. Geisler sprach sich auch dafür aus, wieder kostenfreie Tests für alle einzuführen. «Testen, testen, testen» heiße das Gebot der Stunde. Bis es wieder Bürgertests gebe, würden Lücken mit eigenen Reserven überbrückt.

© dpa-infocom GmbH

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