Linksextremisten-Prozess: Fotos von Tatort bei Lina E.

04.11.2021 Im Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder einer Gruppe militanter Linksextremisten am Oberlandesgericht (OLG) Dresden ging es am Donnerstag um Fotos von einem der Tatorte. Sie befanden sich auf einem Datenträger, der in der Wohnung der Hauptangeklagten Lina E. gefunden wurde, wie ein Ermittler des Landeskriminalamtes als Zeuge sagte, der diesen ausgewertet hat. Danach wurden die Bilder am 7. August 2018 aufgenommen.

Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zwei Fotos zeigen die Bundesstraße 6 von Leipzig nach Wurzen (Landkreis Leipzig), andere die Straße, auf der am 30. Oktober 2018 dann ein damals bei der NPD-Jugend aktiver 20-Jähriger auf dem Weg zum Fußballtraining zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt wurde. Eindeutig zugeordnet werden konnten die Aufnahmen nicht, sagte der LKA-Beamte. Auch Schlüsselbund, Sonnenbrille und ein Kleidungsstück, die auf dem Armaturenbrett zu sehen sind, wurden nicht identifiziert, wie das Auto, aus dem heraus fotografiert wurde.

Seit Anfang September müssen sich die Studentin und drei Männer wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung sowie teils Sachbeschädigung vor dem Staatsschutzsenat verantworten. Laut Anklage ist Lina E. Anführerin einer größeren militanten Gruppe, deren Ziel es war, tatsächliche und mutmaßliche Angehörige der rechten Szene anzugreifen und zu verletzen. Die 26-Jährige soll bei mindestens zwei von sechs Anschlägen in Leipzig, Wurzen und Eisenach im Nachbarland Thüringen das Kommando geführt haben, bei denen 13 Menschen verletzt wurden, zwei davon potenziell lebensbedrohlich. Sie ist in Untersuchungshaft.

Zum ersten Jahrestag der Inhaftierung von Lina E. kamen die Mitangeklagten in schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift «Free Lina» ins Gericht und zogen sie erst nach Aufforderung und Diskussion mit den Verteidigern aus. Der Senatsvorsitzende ließ deren Begehren, eine Zeugin zu fragen, wie die Ermittler zu dem Verdacht der kriminellen Vereinigung gekommen sind, nicht zu. Die Anwälte sehen einzelne Auseinandersetzungen statt eines Angriffs auf den Staat. Eine Demonstration der Unterstützer von Lina E. zu dem Gerichtsgebäude im Norden der Landeshauptstadt blieb nach Angaben der Polizei friedlich.

Der Prozess wird am 10. November fortgesetzt.

© dpa-infocom GmbH

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