Erster Schritt für Aue - Hensel: Gegen Widerstände kämpfen

24.10.2021 Beim FC Erzgebirge Aue hatten die Emotionen nach dem Sieg über Ingolstadt freien Lauf. Teamchef Marc Hensel, den man als Vater des Aufschwungs sieht, glaubt, dass der Erzgebirgsverein in der zweiten Liga gar nicht gewollt ist.

Aues Omar Sijaric (r) hat soeben zum 1:0 getroffen und jubelt mit Jan Hochscheidt. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Erleichterung beim FC Erzgebirge Aue nach dem ersten Saisonsieg in der 2. Bundesliga am Freitagabend gegen den FC Ingolstadt war greifbar. Torhüter und Kapitän Martin Männel sprach sogar von der einen oder anderen Träne, die verdrückt wurde. Die Negativserie der Veilchen lastete auf Spielern und Verantwortlichen. Der 1:0-Erfolg durch das erste Pflichtspieltor von Omar Sijaric war eine Erlösung.

Auch Teamchef Marc Hensel freute sich unbändig, schwang das Megafon und feierte mit den Fans. Um dann aber wieder ernst zu werden. «Es ist der erste Schritt. Wir haben drei Punkte geholt, nicht den Klassenverbleib», sagte der 35-Jährige und fügte an: «Wir haben noch einen weiten, sehr steinigen Weg vor uns.»

Dann holte er vor dem MDR-Mikrofon zu einer derben Kritik aus: «Ich habe nichts gesehen, aber wenn ich höre, dass wir eine Rote Karte wegen angeblichen Spuckens bekommen, fünf Minuten Nachspielzeit haben und dann die kleinen Entscheidungen immer gegen uns getroffen werden, dann fragt man sich schon, ob man hier eine faire Chance hat oder nicht und das tut unheimlich weh.»

Die Rote Karte gegen Clemens Fandrich beschäftigt viele. Hat er den Linienrichter Roman Potemkin bei einem kurzen Disput in der 88. Minute angespuckt oder war es die feuchte Aussprache, die den Schiedsrichter-Assistenten zum Augenwischen veranlasst hatte? Eine Erklärung gibt es bislang nicht. Der FC Erzgebirge wartet ab, was zu Beginn der Woche vom DFB-Kontrollausschuss kommt, zumal kein Fernsehbild darüber Aufschluss gibt, was sich zugetragen hat.

Fandrich selbst sagte der «Bild»: «Ich habe ihn nicht angespuckt. Ich werde einen Anwalt beauftragen, der prüfen soll, wie ich mich dagegen zur Wehr setzen kann.» Fandrich gilt als fairer Fußballer, sah in 348 Pflichtspielen seit 2007 nur jeweils einmal Rot und Gelb-Rot. Im Schiedsrichterbericht soll nach «Bild»-Informationen der Vorwurf des Anspuckens nicht auftauchen, sondern vom Eingreifen in die Intimsphäre des Schiedsrichters die Rede sein.

So etwas bringt Hensel auf die Palme. «Die ganze Bevölkerung, die hier lebt, und wir im Team arbeiten hart, um den Fußball hier zu erhalten. Und Woche für Woche bekommen wir Aussagen am Spielfeldrand, die einfach nicht gerecht sind. Das tut mir unheimlich weh», sagte Hensel. Man müsse einfach sportlich erfolgreich sein und damit keine Argumente mehr liefern. «Wenn wir alle zusammenhalten, werden wir stark genug sein, alle Widerstände zu überwinden. Wir müssen jetzt Woche für Woche abliefern», sagte der Teamchef.

Der nun wieder einen neuen Cheftrainer an seiner Seite hat. Pavel Dotchev wurde als Sportlicher Leiter verpflichtet und begleitet die Position des Cheftrainers, bis Hensel den Fußballlehrer-Schein hat. Mit Dotchev bekommt deer FC Erzgebirge den seit langem von Experten geforderten Fußball-Fachmann, der das Präsidium bei dessen sportlichen Entscheidungen beraten und unterstützen wird.

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