Förderung sichert Bautzener Urkunden-Schatz

14.10.2021 100 Kaiserurkunden, 374 Königsurkunden und zwei Urkunden des Papstes gehören zum Bestand des Stadtarchivs Bautzen. Mit der Förderung aus Bund, Land und Stadt bleiben die Originale den nächsten Generationen erhalten.

Dr. Ursula Hartwieg betrachtet einen Teil des nun gut verpackten Bautzener Urkundenschatzes. Foto: Miriam Schönbach/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vor mehr als 400 Jahren hat wohl ein kaiserlicher Schreiber diese verschnörkelten Letter aufs Pergament gesetzt. «Wir, Rudolf der Andere von gottesgnaden erwelter böhmischer Kaiser zu allen zeitten...» entziffert die Bautzener Archivverbund-Leiterin Grit Richter-Laugwitz den Beginn der Urkunde aus dem Jahr 1585. Der Herrscher Rudolf II. weist die Stadt Bautzen an, dass sie sich nie von der Krone Böhmens trennen dürfe. Das Papier dürfte wohl inzwischen seine Gültigkeit verloren haben, doch für das «kulturelle Gedächtnis für Stadt und Region» ist diese Handschrift von großem Wert. Das einzigartige Original war Teil eines großen Sicherungsprojekts des Kommunalarchivs.

Zu dessen Schatz aus Papier gehören 100 Kaiserurkunden, 374 Königsurkunden und zwei Urkunden des Papstes. Mit Hilfe der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), des Freistaates Sachsen sowie über Eigenmittel der Stadt Bautzen hat die Einrichtung Originale aus der Zeit zwischen 1256 bis 1902 für künftige Generationen erhalten. «In den vergangenen zwei Jahren haben wir diese Urkunden archivgerecht verpackt. Dabei wurden die Dokumente gereinigt und in Kartonagen eingelegt, vorhandene Siegel wurden fixiert», sagt Richter-Laugwitz. Insgesamt flossen 50300 Euro in neue Aufbewahrungsmöglichkeiten der 724 Pergamenturkunden und 3820 Papierurkunden.

Das große Urkunden-Konvolut sucht aus Sicht Michael Vogels «in dieser Vollständigkeit, der Menge und des Überlieferungszustands» seinesgleichen. «Welches Kommunalarchiv hat päpstliche Urkunden in seinem Bestand», sagt der sächsische Landesbeauftragte für Bestanderneuerung an der SLUB Dresden. Er erinnert sich gut an den ersten Termin bei seiner Kollegin. Dort beeindruckten ihn nicht nur die Originale, sondern der teils schlechte Zustand.

Die Akten haben zahlreiche Stadtbrände und ab 1900 eine Odyssee erlebt. «Erst waren sie im Rathaus, dann gab es verschiedene Zwischenlager, dann kamen die Urkunden auf die Ortenburg, die ab 1986 baupolizeilich gesperrt war. Der Putz rieselte auf die Archivalien», sagt Richter-Laugwitz. Die unsachgemäße Lagerung führte zu Schäden - Risse im Material, zerbrochene Siegel und geschmolzenem Wachs im Papier oder Pergament. Der erste Beschluss des «Runden Tisches» in Bautzen hieß 1990: «Rettet unser Archiv». Zehn Jahre und zahlreiche weitere Zwischenlager in Bananenkisten zog das Archiv in der Schloßstraße. Damit war der Urkundenschatz längst nicht gerettet.

Die reiche Überlieferung resultiert aus der deutschlandweit einzigartigen Verfassungssituation des einstigen Markgraftums Oberlausitz mit seiner Hauptstadt Bautzen. Die Region war über Jahrhunderte selbstständiges Territorium mit eigener Verfassung, Machtorganen und unter anderem für die Ausstellung der Urkunden zuständig.

Um die wertvollen Urkunden zu sichern, nahm die Stadt Bautzen 2018 und 2019 eigene Mittel zu Umverpackung der 200 ältesten Urkunden in die Hand. «Ohne die Förderung aus Bund und Land hätten wir Jahre für die Weiterführung der Maßnahme benötigt», sagt Richter-Laugwitz. Dieses Engagement überzeugte die Koordinierungsstelle für Erhaltung schriftlichen Kulturguts (KEK), das Bautzener Archiv aus dem BKM-Sonderprogramm zu fördern. «Es ist eine besondere Erfolgsgeschichte, dass sich hier drei Geldgeber - Bund, Land und Stadt - getroffen haben, um dieses kulturellen Gedächtnis in die Zukunft zu tragen», sagt KEK-Leiterin Ursula Hartwieg.

Wie geht es weiter mit den archivgerecht-verpackten Urkunden? Die Originale sind bereits digitalisiert, so dass sie für Forschungen nicht mehr aus ihren Kartons geholt werden müssen, höchstens für eine Restaurierung. Vielleicht wird die Generalüberholung des Bautzener Schatzes auf Papier und Pergament ein neues Projekt, an dem sich Bund, Land und Stadt beteiligen.

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