«Wir könnten heute Dänemark sein»: Unzureichende Impfquote

29.09.2021 Auch nach Monaten der Pandemie sorgt das Thema Corona für hitzige Debatten im Landtag. Immer wieder wird Dänemark mit seiner hohen Impfquote als Vorbild genannt. Davon ist Sachsen weit entfernt.

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) spricht im Landtag zu den Abgeordneten. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Regierung und Opposition haben im sächsischen Landtag über den weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie debattiert. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) zeigte sich angesichts der im bundesweiten Vergleich niedrigsten Impfquote im Freistaat unzufrieden. «Eigentlich könnten wir heute Dänemark sein», sagte sie in der Parlamentsdebatte am Mittwoch in Dresden.

Das skandinavische Land habe alle Corona-Regeln abschaffen können, weil mehr als 70 Prozent der Menschen geimpft seien. Vize-Ministerpräsident Wolfram Günther (Grüne) kritisierte die hohe Zahl der Ungeimpften in Sachsen und bezeichnete das Impfen als «Akt der Solidarität». Die AfD-Fraktion hingegen forderte erneut die Aufhebung aller Corona-Maßnahmen.

Nach einer Übersicht des Robert Koch-Instituts (RKI) sind in Sachsen aktuell 57,7 Prozent der Menschen einmal und 54,6 Prozent vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Rund 12.000 Menschen haben laut Köpping mittlerweile eine sogenannte Booster-Impfung erhalten, also eine Auffrischung.

«Wir haben noch viel zu tun in diesem Bereich», betonte die Ministerin. Es gebe mehr als 1,7 Millionen Menschen, die noch nicht geimpft seien. Davon seien rund 300.000 Menschen älter als 60 Jahre. Hinzu kämen rund 440.000 Kinder unter zwölf Jahren, die sich nicht impfen lassen könnten. «Wir müssen vorsichtig in Sachsen bleiben.»

Am Donnerstag (30.9.) verabreichen die Impfzentren in Chemnitz, Treuen, Annaberg, Borna, Leipzig, Mittweida und Pirna ihre letzten Corona-Schutzimpfungen. Haus- und Betriebsärzte sowie 30 mobile Teams führen die Impfungen dann weiter. Auch 17 Krankenhäuser haben laut Köpping bisher zugesagt, in Impfsprechstunden Corona-Schutzimpfungen anzubieten. «Wir brauchen niedrigschwellige und ortsnahe Angebote.»

Die SPD-Abgeordnete Simone Lang warb um Vertrauen in die Wissenschaft und nannte ebenfalls Dänemark als Vorbild. Dort hätten sich 96 Prozent der über 50-Jährigen für eine Impfung entschieden.

Günther nannte als Ziel für Sachsen eine Impfquote von 85 Prozent. Zugleich verteidigte er die Corona-Maßnahmen der vergangenen Monate als «schmerzlich und zugleich unerlässlich». Beim jüngst eingeführten 2G-Optionsmodell gehe es nicht darum, Ungeimpfte auszuschließen - «sondern darum, geimpften und genesenen Menschen einen Teil des normalen Lebens zurückzugeben». Gastwirte und Veranstalter können in Sachsen entscheiden, ob sie nur Geimpften und Genesenen Zutritt gewähren - und dann auf Auflagen verzichten.

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Jörg Urban warf der Staatsregierung vor, weiterhin kein tragfähiges Konzept im Umgang mit der Pandemie zu haben und kritisierte den «Lockdown für Ungeimpfte». Die 2G-Regel entspreche einem faktischen Impfzwang.

CDU-Generalsekretär Alexander Dierks hielt dagegen: Nach drei Corona-Wellen könne man sagen, dass die Bekämpfung der Pandemie besser gelungen sei als in den meisten Ländern Europas. «Verantwortung heißt auch, in Krisensituationen Entscheidungen zu treffen, die nicht populär sind.»

Auch die Ergebnisse der Bundestagswahl spielten am Rande der Debatte eine Rolle: Während Urban mit Blick auf die CDU anmerkte, dass sich der sächsische Wähler von ihr abwende, konterte Dierks, 75 Prozent der Sachsen hätten nicht die AfD gewählt. Es brauche einen langen Atem, «aber wir werden alles dafür tun, Sie kleinzukriegen», sagte der CDU-Generalsekretär.

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