Vorländer: CDU braucht Erneuerung, Linke neues Personal

27.09.2021 Der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer sieht nach der Wahlschlappe der sächsischen CDU bei der Bundestagswahl dringenden Handlungsbedarf für die Union. «Es muss eine generelle Erneuerung der CDU in der Fläche geben. Dort hat sie die Verankerung längst verloren. Sie muss sich dort vor allem auch personell erneuern», sagte Vorländer am Montag der Deutschen Presse- Agentur in Dresden. Das sei eine wichtige Erkenntnis der Wahl.

Prof. Hans Vorländer, deutscher Politikwissenschaftler aus Dresden. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vorländer zufolge kann man die CDU jetzt aber nicht «rechtswenden». Das führe nicht zum Erfolg, was sich am Beispiel von Thüringen erkennen lasse. Dort sei jemand wie Hans-Georg Maaßen auch nicht gewählt worden. «Man kann der AfD nicht nachlaufen, sondern muss eine Alternative entwickeln, besonders auf dem Lande. Die CDU muss sich verankern, verwurzeln, sich kümmern, Themen setzen und zeigen, dass sie besser ist als die AfD.»

In Sachsen hatte die CDU die Bundestagswahl am Sonntag klar gegen die AfD verloren. Sie musste sich sogar der SPD geschlagen geben. Die AfD landete bei 24,6 Prozent der Zweitstimmen. Dahinter rangieren SPD (19,3 Prozent), CDU (17,2), FDP (11,0), Linke (9,3) und Grüne (8,6). Die AfD gewann zudem zehn von 16 Wahlkreisen, die CDU nur vier. Je einer ging an die SPD und die Linken.

Bei den Linken gehe es darum, eine Machtoption zu entwickeln und den Wählern ein attraktives Angebot machen, sagte Vorländer. In Thüringen funktioniere das auch. «Die Linke muss zeigen, dass sie ein besseres Politikangebot hat. Anders geht es nicht. Sie kann sich nicht darauf ausruhen, Vertreterin ostdeutscher Interessen zu sein.» Früher sei sie so etwas wie eine Interessenpartei der Ostdeutschen gewesen - mit dem Anspruch einer Volkspartei. Diesen Status habe sie aber längst verloren. «Die Linke hat zu lange im Schatten der CDU gestanden und dann einen Großteil ihrer Klientel an die AfD verloren.»

«Die Linken brauchen jetzt vor allem ein gutes Personalangebot», sagte der Professor. Ostdeutsche Wähler seien sehr stark auf Persönlichkeiten fokussiert. «Daran mangelt es der Linken auch in Sachsen.» Gebraucht würden Personen, denen die Wählerinnen und Wähler vertrauen und die auch in den entsprechenden Milieus und Regionen verankert seien. Das sehe man an Sören Pellmann in Leipzig, der am Sonntag eines von drei Direktmandaten der Linken bundesweit gewonnen habe.

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