Neues Leben durch Interimslösung Hensel

26.09.2021 Beim FC Erzgebirge Aue ist trotz der Niederlage in Regensburg der Glaube an sich und eine Zukunft in der 2. Bundesliga zurück. Der Interimstrainer Marc Hensel hat daran einen großen Anteil. Nur ist der nicht im Besitz einer Fußball-Lehrer-Lizenz.

Aues Interims-Trainer Marc Hensel steht vor dem Spiel im Stadion. Foto: Armin Weigel/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

2:3 in Regensburg verloren, weiter siegloses Schlusslicht der 2. Fußball-Bundesliga und dennoch schon so etwas wie Aufbruchsstimmung: Dem FC Erzgebirge Aue haben 45 Minuten wieder Leben eingehaucht. Verantwortlich dafür: Interims-Trainer Marc Hensel. «Ein Kompliment an Marc Hensel, der es in kurzer Zeit geschafft hat, uns einfache Lösungen an die Hand zu geben und uns die Mentalität zurückgegeben hat», sagte Kapitän Martin Männel nach der Regensburg-Pleite.

Nicht nur er kann sich vorstellen, dass aus der Interims- eine Dauerlösung Hensel werden könnte. Schließlich kennt er seinen Kumpel seit vielen Jahren. Bereits beim FC Energie Cottbus spielten sie 2007 zusammen, wechselten dann gemeinsam nach Aue, wo sie bis 2013 das Bild des neuen FC Erzgebirge als Führungsspieler prägten. Immer dabei in verantwortlicher Position: die Leonhardt-Brüder Uwe und Helge. Sie wissen, welch Charakter Hensel ist, dass er den FC Erzgebirge lebt. Und das, obwohl der 35-Jährige noch einem Zweitjob nachgeht. Im Gymnasium Aue arbeitet Hensel als Lehrer für Deutsch und Geschichte, gib 15 Wochenstunden und ist Klassenlehrer einer sechsten Klasse.

Präsident Helge Leonhardt hat nur ein Problem mit Hensel: Dieser hat nicht den als Cheftrainer nötigen Fußball-Lehrer-Schein, ist lediglich im Besitz einer A-Lizenz. Und deshalb nach den DFL-Richtlinien nur als Interimslösung möglich. Hensel selbst will das ändern und peilt beim nächsten Kurs die Teilnahme an der Ausbildung an, allein schon um sich weiterzuentwickeln. Und um vielleicht doch früher oder später dem FC Erzgebirge als Cheftrainer vorzustehen? Dazu macht er (noch) keine Aussagen.

In Regensburg jedenfalls zeigte er, dass er eine Mannschaft führen kann. In Halbzeit eins spielte dass Team noch einmal den vom geschassten Trainer Aliaksei Shpileuski verordneten Fußball und stand sich selbst im Wege. Nach vorn fanden die Auer bis auf zwei Ausnahmen nicht statt, hinten leistete man sich die spielentscheidenden Fehler. Beim 0:2 schienen die nächste Niederlage perfekt zu sein.

Nach der Pause kickte dann plötzlich wieder der Kumpel-Verein, bei dem jeder für den anderen rannte und kämpfte. Hensel hatte an die Auer Tugenden appelliert, die Kicker damit am Nerv getroffen und mit drei Wechseln nicht nur ein glückliches Händchen, sondern auch Sachverstand bewiesen. «Es war der Auftritt einer Mannschaft, wie wir sie in den nächsten Wochen brauchen», sagte Hensel, der von einer unfassbaren Mentalität sprach.

Die benötigen die Auer auch am kommenden Freitag, wenn der Hamburger SV im Lößnitztal gastiert. Die Spieler sind sich sicher, dass sie bis dahin den Nackenschlag des dritten Gegentores in der 90. Minute weggesteckt haben. Hensel sprach danach von einer gewissen Traurigkeit. Diese dürfte aber angesichts der Lobeshymnen nach der zweiten Regensburg-Halbzeit und der damit aufgeflammten Euphorie schnell verflogen sein.

© dpa-infocom GmbH

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