Schütze im Erbstreit bestreitet Tötungsabsicht

02.09.2021 Ein Erbstreit ist im Frühjahr in Limbach-Oberfrohna eskaliert. Dabei starb ein 41-Jähriger durch einen Schuss. Seit Donnerstag muss sich der Schütze nun vor Gericht verantworten. Im Zuschauerraum drücken ihm etliche Freunde und Bekannte die Daumen.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zwei Patronen lud der heute 74-Jährige im März in seine Pistole vom Typ Taurus. Eine davon traf kurz darauf den Sohn seiner verstorbenen Partnerin tödlich im Brustkorb. Zum Abfeuern der zweiten kam es nicht mehr. «Warum zwei?», habe er ihn damals bei der Vernehmung gefragt, berichtete ein Ermittler am Donnerstag vor dem Landgericht Zwickau. «Eine für André, eine für mich», habe der Senior geantwortet. Doch nach dem ersten Schuss habe sich die Frau des Getöteten auf ihn gestürzt und ihm die Waffe entrissen.

Ein halbes Jahr nach dem Schuss hat am Donnerstag vor dem Landgericht Zwickau der Prozess gegen den 74-Jährigen begonnen. Er ist des Totschlags angeklagt. Laut Anklage hat er am Nachmittag des 6. März die Pistole aus seinem Waffenschrank geholt, sie im Wohnzimmer mit den Worten «André, jetzt bist du dran!» auf den Sohn seiner einem Monat zuvor verstorbenen Lebensgefährtin gerichtet und abgedrückt. Dem soll ein Erbstreit vorangegangen sein.

Vor Gericht wirkt der Angeklagte sehr gefasst. Er erzählt ruhig, wie er sich von dem 41-Jährigen und seiner Frau tyrannisiert gefühlt habe und dass ihm das Wohnrecht in dem Anwesen seiner Frau «abgeluchst» worden sei, in dem er 21 Jahre gelebt habe. Ihm sei das Telefon abgestellt und gesagt worden, er habe hier nichts mehr zu suchen.

Einiges schildert er jedoch anders als er es kurz nach der Tat dem Ermittler gesagt haben soll. So bestritt der Senior eine Tötungsabsicht. Er habe spontan die Pistole aus seinem Waffenschrank geholt und geladen. Sein Ziel sei gewesen, den 41-Jährigen zur Rede zu stellen, sagte er vor Gericht und beteuerte: «Ich wollte nicht schießen, ich wollte nur drohen.» Dazu habe er mit der Waffe auf die Wand etwa einen Meter neben dem Mann gezielt. Dann sei er aber von der Seite gestoßen worden - wohl von dessen Frau. Daraufhin sei er getaumelt und der Schuss habe sich gelöst.

Die Waffe hatte er neben weiteren legal besessen, war nach eigenen Angaben seit vielen Jahren Mitglied in einem Schützenverein und hatte regelmäßig an Tontaubenschießen teilgenommen. Im Zuschauerraum genoss er am Donnerstag viele Sympathien. Bekannte und Freunde waren zum Prozessauftakt gekommen, um ihm beizustehen. Er sei immer sehr hilfsbereit und beliebt gewesen, erzählt einer. Eine andere meint, das Ganze sei ganz offensichtlich «ein tragischer Unfall».

Der Prozess soll am 13. September mit den Aussagen von Sachverständigen und Zeugen fortgesetzt werden; weitere Verhandlungstermine sind bis 21. Oktober geplant.

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