Durchhalteparolen: Aue in Kiel nicht zweitligareif

29.08.2021 Dieser Saisonstart ging für den FC Erzgebirge Aue richtig schief. Seit Samstag leuchtet die Rote Laterne im Lößnitztal. In der Länderspielpause muss nicht nur nachjustiert, sondern richtig hart gearbeitet werden.

Kiels Jann-Fiete Arp (2.v.r.) spielt den Ball vor Aues Clemens Fandrich und Aues Babacar Gueye. Foto: Frank Molter/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es klang schon fast nach Durchhalteparolen. «Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken. Es war erst der fünfte Spieltag und man muss bedenken, dass wir noch sehr frisch zusammen sind», sagte Trainer Aliaksei Shpileuski nach dem 0:3 seines FC Erzgebirge Aue bei Holstein Kiel. Beide Teams waren sieglos in die Begegnung gegangen, nun steht der FC Erzgebirge am Tabellenende der 2. Fußball-Bundesliga. «Das ist natürlich ein Scheißgefühl, wenn du so in die Länderspielpause gehst», sagte Abwehr-Routinier Sören Gonther.

Sechs Pflichtspiele haben die Erzgebirger bestritten, drei Unentschieden und drei Niederlagen sind die Bilanz. Und das Schlimme ist: Aue hat dabei erst drei Tore erzielt. Die Abgänge des in den vergangenen zwei Spielzeiten erfolgreichen Sturmduos Florian Krüger und Pascal Testroet konnten bislang nicht kompensiert werden. Krüger, der nach Bielefeld wechselte, hatte eine Ausstiegsklausel. Testroet sah in Shpileuskis System als Strafraumspieler keine Perspektive und ging nach Sandhausen.

Überhaupt das neue System. Shpileuski will modernen Fußball mit hohem Pressing und schnellen Angriffen spielen. Damit scheinen die meisten Auer Spieler aber noch überfordert zu sein. Phasenweise funktioniert es, aber eben nicht konstant und gleich gar nicht über 90 Minuten. Meist liegen die Auer da schon in Rückstand und bei Ballverlusten hat es der Gegner leicht, die Ketten zu überspielen und selbst wieder gefährlich zu werden. Und von den bekannten Auer Tugenden wie Kampf und unbedingter Wille ist derzeit nicht viel zu spüren. In Kiel war lediglich Torhüter und Kapitän Martin Männel zweitligareif.

Die Länderspielpause kommt daher dem Auer Trainer gerade recht, fraglich ist, ob alle Baustellen beseitigt werden können. «Wir müssen extrem an uns arbeiten. Es gibt viel zu tun», sagte der Coach. Neben der Verinnerlichung der Spielidee muss das Zusammenspiel aller Mannschaftsteile besser werden. Shpileuski verweist darauf, dass gerade im Angriff mit Babacar Gueye und Antonio Mance zwei Stürmer erst nach dem Saisonstart verpflichtet worden, die sich noch finden müssen.

Zudem hofft der Trainer auf die Rückkehr wichtiger, bislang verletzter Akteure wie Florian Ballas oder Nicolas-Gerrit Kühn. Und er muss auch Überzeugungsarbeit leisten. «Wir dürfen nicht anfangen, an uns zu zweifeln. Kein Einziger darf das machen», sagte Shpileuski. Um den Kopf frei zu bekommen, haben die Auer Kicker vier freie Tage, ab Donnerstag wird dann mit Doppeleinheiten die Arbeit wieder aufgenommen. Auch wenn es schwer falle, man müsse da jetzt durch.

«Wir stehen am Anfang eines Prozesses. Wir wussten, dass es schwer wird. Es sind viele junge Spieler dazugekommen, die integriert werden müssen. Es geht weiter, wir bleiben positiv», sagte Shpileuski und auch das klang nach Durchhalteparolen.

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