Synagoge will als Kulturforum für Verständigung werben

12.07.2021 Das Gotteshaus der Görlitzer Juden hatte als einzige Synagoge in Sachsen die Pogromnacht der Nationalsozialisten im November 1938 überstanden. Nach Jahrzehnten des Verfalls und der Sanierung soll von ihr nun als Kulturforum ein Signal der Verständigung ausgehen.

Blick in den Kuppelsaal der Synagoge während der Wiedereröffnung. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit einem Bekenntnis zu Offenheit und Toleranz ist am Montag nach rund 30 Jahren Sanierung die Görlitzer Synagoge als Kulturforum wiedereröffnet worden. «Das Wiederaufblühen jüdischer Kultur ist das größte Geschenk der deutschen Nachkriegsgeschichte», sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in einer kurzen Ansprache. Zugleich warnte sie vor Antisemitismus. Es sei beschämend, welch erschreckendes Ausmaß er in Deutschland wieder angenommen habe. Antisemitismus sei ein Angriff auf Menschlichkeit, Demokratie und «auf uns alle. Deshalb habe die Bundesregierung ihre Anstrengungen zur Bekämpfung von Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus erhöht. Sie hoffe, dass die Görlitzer Synagoge das Verantwortungsbewusstsein der Besucher schärfe.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) nannte die Sanierung eine «unglaubliche Geschichte und ein starkes Zeichen». Feuerwehrleute hätten das Feuer in dem Jugendstilgebäude damals gelöscht. Am Tag darauf sei der Davidstern abmontiert worden. Nach dem Krieg sei das Gotteshaus dem Verfall preisgegeben worden, die Synagoge etwas in Vergessenheit geraten. In den 1970er Jahren habe man sogar über ihren Abriß diskutiert. Doch nach Beginn der Sanierung habe die Stadt Görlitz eine ihrer längsten Baustellen mit Engagement und Herzblut am Laufen gehalten. «Die Europastadt Görlitz steht für Religionsfreiheit, Offenheit und Toleranz», sagte Ursu. Die Synagoge solle nun zu einem Haus der Begegnung und einem Ort werden, der nachhaltig europäische Verständigung lebt.

Er hoffe, dass von diesem Tag Zuversicht, Mut und Engagement ausgehe, betonte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). «Große Dinge können gelingen, wenn wir sie gemeinsam anpacken - mit Mut, mit Weitsicht, miteinander.» Die Synagoge sei in der Pogromnacht geschändet worden. Damals habe man sehen können, wie aus Worten Taten werden. Deswegen sei es wichtig, dass jede und jeder in öffentlichen Diskussionen Verantwortung übernehme und Respekt und Toleranz einfordere, sagte er mit Blick auf Antisemitismus.

Die Sanierung der Görlitzer Synagoge kostete rund 12,6 Millionen Euro. Der Bund steuerte 2,8 Millionen Euro bei. Nach den Worten von Ursu soll im kommenden Jahr auch wieder der Davidstern auf der Kuppel glänzen. Für dessen Rückkehr haben die Gemeindemitglieder 70 000 Euro gespendet. In der kleinen Wochentagssynagoge gibt es auch künftig wieder Gottesdienste. Ursprünglich sollte die Eröffnung der Synagoge bereits im Dezember 2020 erfolgen. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

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