Kretschmer zum zweiten Mal geimpft

09.07.2021 Zum zweiten Mal hat sich Sachsens Regierungschef mit Astrazeneca gegen Corona impfen lassen. Er wirbt für den Schutz, denn im Freistaat lässt die Bereitschaft nach. Von bestimmten Anreizen hält Michael Kretschmer aber nicht viel.

Michael Kretschmer (CDU) wird mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich zum zweiten Mal mit Astrazeneca gegen das Coronavirus impfen lassen. Im Dresdner Impfzentrum bekam er am Freitagmorgen das Präparat gespritzt. «Nur die Zweitimpfung bringt Sicherheit», sagte der Regierungschef. Man komme nur gut durch den Herbst, wenn möglichst alle geimpft seien, appellierte Kretschmer mit Blick auf die teils nachlassende Impfbereitschaft im Freistaat. «Die vierte Welle wird kommen so sicher wie das Amen in der Kirche.»

Vor zwölf Wochen hatte sich der CDU-Politiker von seiner Hausärztin die erste Dosis verabreichen lassen. Auch beim zweiten Piks entschied er sich für Astrazeneca, um für den britischen Impfstoff zu werben. «Ich fand die Diskussion mit dem Hin und Her nicht sonderlich überzeugend.» Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte eine sogenannte Kreuzimpfung mit Präparaten wie Biontech/Pfizer oder Moderna für eine höhere Wirksamkeit empfohlen.

Obwohl inzwischen genügend Impfstoff zur Verfügung steht, hat die Impfbereitschaft nachgelassen. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wurden in den Impfzentren zu Hochzeiten mehr als 20 000 Dosen täglich verabreicht - derzeit sind es etwa die Hälfte. Um der Impfkampagne mehr Schwung zu verleihen, soll es laut Kretschmer am 20. Juli erneut einen Impfgipfel geben. Von Gutscheinen oder ähnlichen Anreizen hält er indes nicht viel. «Mit einer Impfung könnten Menschen geschützt werden, die selbst nicht geimpft werden könnten» - etwa Kinder oder diejenigen, die eine Impfung nicht vertrügen. «Impfungen sind gelebte Nächstenliebe.»

Der CDU-Politiker verwies auf Länder, in denen schnell alles geöffnet wurde und auf die dort teils explodierenden Infektionszahlen. Allein in Sachsen seien rund 10 000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, bundesweit etwa 90 000. Kretschmer verwies auf große Belastungen für Wirtschaft und Familien in den vergangenen 18 Monaten. «Das können wir verhindern, wenn wir alle geimpft sind.»

In Sachsen haben bisher 49,4 Prozent der Menschen eine Erstimpfung gehalten - damit liegt der Freistaat deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 57,9 Prozent. 39 Prozent sind vollständig geimpft. Experten sprechen von einer Quote von etwa 80 Prozent, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen.

«Wir würden uns wünschen, dass die Impfzentren stärker frequentiert werden», sagte DRK-Chef Rüdiger Unger am Freitag. Seit dem 2. Juli sind in den sächsischen Impfzentren auch Impfungen ohne Termin möglich. Am Donnerstag zählte das DRK rund 800 Spontanimpfungen in seinen Impfzentren - ein leichter Anstieg. «Das lässt mich ein bisschen Hoffnung schöpfen, dass wir eine gute Balance hinbekommen», so Unger. Obwohl das Impfen ohne Termin eine logistische Herausforderung sei, klappe die Organisation. Unger empfiehlt dennoch einen Termin über das Online-Portal zu buchen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bleibt in Sachsen unterdessen weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner für den Freistaat am Freitag mit 1,8 an. Bundesweit wurde im Vergleich zum Vortag mit 5,5 eine etwas höhere Inzidenz registriert.

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