Zwei Jahre Welterbe Erzgebirge: Projekte für neuen Schwung

05.07.2021 Das Erzgebirge ist stolz auf seine reiche Bergbaugeschichte. 2019 wurde die Region dafür mit dem Welterbetitel geadelt. Was ist seither daraus geworden?

Der Eingang ins historische Silberbergwerk "Im Gößner", das zwischen 1500 und 1510 in Betrieb genommen wurde. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Seit zwei Jahren schmückt sich das Erzgebirge mit dem Welterbetitel, doch die Corona-Pandemie hat die Aktivitäten ausgebremst. Nicht nur dass viele Einrichtungen wie Museen und Besucherbergwerke im Lockdown schließen mussten und der Tourismus über Monate brach lag. Auch der Austausch mit Partnern auf tschechischer Seite sei sehr eingeschränkt gewesen, sagte Kristin Hängekorb vom Verein Welterbe Montanregion Erzgebirge am Montag. Neuen Schwung soll dieses Jahr etwa eine Förderung für Kleinprojekte von Vereinen, Kommunen und privaten Initiativen über 200 000 Euro bringen. Zudem ist ein internationales Freiwilligenprojekt geplant sowie der erste Aufschlag für einen virtuellen Erlebnisguide.

Am 6. Juli 2019 hatte das Komitee der Unesco die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří als Weltkulturerbe anerkannt. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte den Angaben zufolge die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Die Welterberegion hat 22 Bestandteile, davon 17 auf deutscher Seite. Dazu gehören die historische Altstadt Marienberg, der Grünthaler Saigerhüttenkomplex, die hochmittelalterlichen Silberbergwerke Dippoldiswalde und die Bergbaulandschaft Freiberg samt Altstadt und dem bergbaulichen Wasserwirtschaftssystem.

Die besondere Geschichte der Region, die Landschaft und Menschen geprägt habe, sei zugleich Verpflichtung und Motivator. «Wir werden diese Geschichte weiter schreiben», betonte der Geschäftsführer des Welterbe-Vereins, Steve Ittershagen. Dabei hob er die Zusammenarbeit verschiedener Akteure in der Region hervor. «Nur mit Unterstützung der Kommunen, Vereine und engagierter Bewohner ist es möglich zu zeigen, wie vielfältig, spannend und lebendig das Welterbe ist.»

Für den Tourismus habe der Welterbe-Titel einen großen Marketing-Effekt, betonte Daniela Mynett vom Tourismusverband Erzgebirge. «Er war das Sahnehäubchen, die Bestätigung dafür, dass das hier weltweit einzigartig ist.» Wie stark die Branche von dem Titel profitiere, lasse sich nicht in Zahlen ausdrücken - auch wegen der gravierenden Einbrüche durch die Corona-Pandemie. Es gebe aber viele Rückmeldungen, dass Kulturinteressierte speziell ins Erzgebirge reisten oder Wanderer auf dem Kammweg gezielt Abstecher zu Welterbestätten in der Region unternähmen.

Für Touristen gibt es laut Mynett etwa Welterbe-Führungen in Freiberg und Annaberg-Buchholz, aber auch spezielle Wandertouren wie die «Kleine Welterbetour» bei Altenberg. Künftig soll das Angebot durch einen virtuellen Erlebnisguide ergänzt werden, der sich vor allem an Familien richte. Er soll es ermöglichen, das Welterbe unabhängig von Öffnungszeiten auf eigene Faust zu entdecken. Dabei gehe es sowohl um Wissensvermittlung als auch um Unterhaltung. Noch diesen Sommer soll er für Schneeberg an den Start gehen. Dann sollen Annaberg-Buchholz und im kommenden Jahr Marienberg und Freiberg folgen.

Zu den weiteren Vorhaben gehören auch vier Besucherzentren in diesen Städten. Sie sollen Anlaufpunkte werden und zugleich «Appetitmacher» dafür sein, die Welterberegion zu erkunden, erklärte Hängekorb.

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