«Bodentier hoch 4»: Forscher entwickeln App für Krabbler

04.06.2021 Bis zu 50 000 Arten an Bodentieren gibt es in Deutschland. Mit Hilfe von Smartphone oder Tablet kann sie jetzt jeder bestimmen - und dabei Teil eines weltweiten Wissenschaftsprojekts werden.

Ein Ommatoiulus sabulosus sitzt auf einem Waldboden. Foto: Peter Decker/Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung/ZB/Handout © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Digitaler Erkennungsdienst für kleine Krabbler: Mit der App «Bodentier hoch 4» hat das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz eine Software zur Bestimmung von Bodenlebewesen entwickelt. Mit Hilfe interaktiver Systeme und Artenporträts lassen sich Gruppen wie Käfer und Ameisen sowie rund 260 heimische Doppel- wie Hundertfüßer und Landasseln bestimmen. «Wir möchten Wissenschaft greifbarer machen: Fast jeder hat ein Smartphone oder Tablet und kann mitmachen», sagt Projektkoordinatorin Kristin Baber. Mit der App wollen die Wissenschaftler zudem auf die Böden mit ihrer schützenswerten Artenvielfalt aufmerksam machen. «Und die Menschen zum Buddeln und Steine umdrehen animieren.»

Mit Hilfe der App können sich die Nutzer mit der Verbreitung, Merkmalen und Aussehen der Krabbler vertraut machen. Die Bestimmung kann per Foto vorgenommen werden, um die Funde an die weltweite Forschungsdatenbank «Edaphobase» von Senckenberg zu melden. «An der Erforschung von Bodentieren arbeitet bisher kaum die Öffentlichkeit mit. Daher sind unsere Kenntnisse über die Verbreitung, Lebensweise oder mittel- und langfristige Bestandsänderungen dieser Tiere weniger aussagekräftig als bei anderen ,attraktiveren' Tiergruppen», sagt der Zoologe und Museumsdirektor Willi Xylander. Unter anderem sollen auch App-Schulungen für Pädagogen und Klassen angeboten werden.

Den Bodentieren kommt durch ihr Wühlen und Graben eine wichtige Rolle zu. Bis zu 50 000 Arten leben unter Deutschlands Füßen. Ein Quadratmeter gesunder Boden beherbergt nach Angaben des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz Hunderttausende bis Millionen von Faden- und Regenwürmern, Milben, Doppel- wie Hundertfüßer, Asseln, Springschwänze, Insekten sowie deren Larven. Wenn jene Menge auf einen Hektar und damit rund 1,5 Fußballfelder hochrechnet wird, kommt man auf rund 15 Tonnen.

Die Entwicklung der App ist Teil des Projekts «museum4punkt0» - ein Verbundprojekt für digitale Kulturvermittlung. In dieser Gemeinschaft sind 16 Kulturineinrichtungen aus Deutschland miteinander vernetzt, um digitale Angebote für neue Arten des Lernens und Erlebens im Museum zu entwickeln. Geleitet wird das Projekt durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Neben dem Senckenberg-Museum in Görlitz gehören unter anderem zu den Partnern die Klassik Stiftung Weimar, das Deutsche Historische Museum und die Stiftung Deutsches Meeresmuseum.

© dpa-infocom GmbH

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