Erste teilstationäre Post-Covid-Therapie startet am Montag

27.05.2021 Erschöpfung, Müdigkeit, Leistungsdefizite: Vor allem jüngere Covid-19-Patienten leiden unter den Spätfolgen der Infektion. Jetzt startet in Sachsen erstmals ein langfristiges Angebot für diese Menschen.

Petra Köpping (SPD), Gesundheitsministerin von Sachsen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach überstandener Covid-19-Erkrankung leiden nicht wenige Menschen unter den Spätfolgen der Infektion - nun gibt es ein besonderes Therapieangebot. Am Montag startet am Sächsischen Krankenhaus (SKH) Altscherbitz in Schkeuditz bei Leipzig die erste teilstationäre Post-Covid-Therapie im Freistaat. «Wenn es trotz überstandener Infektion noch lange dauert, um das ursprüngliche Leistungsvermögen wieder zu erlangen, dann kann das schwer auf der Seele lasten», sagte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Donnerstag beim Besuch des Krankenhauses.

Bei vielen Patienten, die zuvor nicht in stationärer Behandlung waren, treten Wochen später Erschöpfung, Leistungsdefizite, Hilflosigkeit bis hin zu Depressionen auf, wie die Oberärztin am SKH Jana Abitzsch erläuterte. Vor drei Monaten war in dem Krankenhaus eine Post-Covid-Ambulanz eingerichtet worden. Die 40 Plätze waren schnell belegt, derzeit warten Patienten bis zu vier Monate auf einen Platz. «Schnell wurde deutlich, dass der Bedarf an einer weitergehenden Behandlung notwendig ist», sagte Abitzsch, die daraufhin ein Konzept für eine vierwöchige teilstationäre Therapie erstellte.

Am Montag starten fünf Patienten, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Zunächst werden diese umfassend untersucht und mit Hilfe einer Hirnleistungsdiagnostik bekommt jeder Patient einen individuellen Therapieplan. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Stressbewältigung sowie das Erlernen von Achtsamkeit ein, um die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. «Vielen Patienten macht es Angst, weil sie nicht wissen, wie sich die Erkrankung entwickeln kann. Zudem waren sie vor der Infektion leistungsfähig, belastbar und motiviert», erklärte Barbara Richter, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie am SKH Altscherbitz.

Weitere Bausteine der Therapie sind Entspannungs-, Musik- und Kunsttherapie sowie Sport und Atemübungen. «Ziel ist es, eine körperlich, seelische und geistig gute Lebensqualität zu ermöglichen, um ein angepasstes Leben unter den persönlichen Lebensbedingungen zu realisieren», sagte Abitzsch.

Laut Köpping wurden in Sachsen bislang etwa 280 000 Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet. «Das ist eine große Zahl und wir müssen beobachten, wie viele Menschen nachbehandelt werden müssen.» Die Ministerin ermutigte andere Einrichtungen, sich diesem neuartigen Krankheitsmuster zuzuwenden.

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