Pandemie grassiert im Südwesten Sachsens: Ärzte in Sorge

15.04.2021 Die Corona-Infektionszahlen steigen in Sachsen, im Südwesten ist die Lage besonders ernst. Ärzte schlagen Alarm und mahnen schärfere Beschränkungen an.

Eine Helferin steckt einen Rachenabstrich in ein Röhrchen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Südwesten Sachsens spitzt sich das Corona-Infektionsgeschehen zu. So haben die Landkreise Zwickau und Erzgebirge das Vogtland als negativen Spitzenreiter bei der Wocheninzidenz abgelöst. In allen drei Regionen liegt der Wert nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) vom Donnerstag über der Marke von 300 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von 7 Tagen. Das Klinikum Chemnitz stellt sich laut einer Mitteilung auf «schwere Zeiten» mit vielen Covid-19-Patienten ein. Ärzte des Klinikums mahnten eindringlich schärfere Beschränkungen an.

Der Ärztliche Direktor Johannes Schweizer sprach von einer «ungebremsten Dynamik des Infektions- und Belegungsgeschehens». Den Angaben nach geraten derzeit die Intensivstationen erheblich unter Druck. «Da die Patienten im Schnitt 15 Jahre jünger sind als in der zweiten Welle, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sie - aufgrund besserer körperlicher Ausgangssituation - länger auf der Intensivstation bleiben», erklärte der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin IV, Stefan Hammerschmidt. Deswegen würden die Intensivbetten schneller knapp.

Auch andernorts sind Ärzte in Sorge. «Wir sind alarmiert», beschrieb der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, Michael Albrecht, die Lage in den Krankenhäusern. In der Region Chemnitz-Westsachsen sei die Dynamik deutlich stärker, die Situation im Erzgebirgskreis an der tschechischen Grenze besonders dramatisch. «Wir haben noch eine Woche Zeit, um die weitere Entwicklung abzuwarten.» Er forderte, die Impfpriorisierung aufzuheben. «Jetzt geht es um Geschwindigkeit», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Man müsse verstärkt die impfen, die viel unterwegs sind, Kontakte haben und gefährdeter sind, sich anzustecken.

Bei mehr als 1300 belegten Betten landesweit sieht die aktuelle Verordnung eine Rückkehr zum strengeren Lockdown vor. Das sind laut Albrecht, der ein Prognosesystem zur Entwicklung der Situation sächsischer Krankenhäuser entwickelt hat, 40 Prozent der Belegung von vor Weihnachten. «Nach meiner Prognose werden wir diese Grenze in etwa einer Woche (21. April) knapp reißen.» Dann blieben zwei bis drei Wochen Vorlauf für den Effekt eines kompletten Lockdowns.

Laut einer Übersicht des Landes waren am Donnerstag 1186 Betten auf Normalstationen von Covid-19-Patienten belegt sowie 377 Betten auf Intensivstationen.

Das Klinikum Chemnitz informierte, dass nur noch Notfall-Operationen und medizinisch dringend notwendige Eingriffe vorgenommen werden. Das OP-Geschehen sei wie um Weihnachten 2020 zum Höhepunkt der zweiten Corona-Welle auf etwa die Hälfte reduziert. Auf diese Weise sollen Intensivkapazitäten für Covid-19-Patienten sichergestellt werden. Die Zahl dieser Patienten am Klinikum hat sich seit vorigen Freitag von 102 auf 127 auf Normalstationen erhöht, auf Intensivstation von 31 auf 35.

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen ist in Sachsen nach Daten der Landesregierung zum Donnerstag um mehr als 1900 auf 242 243 gestiegen, die der Todesfälle um 36 auf 8682 (Stand: 12.30 Uhr). Landesweit nimmt das Infektionsgeschehen weiter zu. Laut RKI kletterte die Wocheninzidenz auf 235,3 - nach 227,8 am Vortag. Damit bleibt Sachsen eine der Brennpunktregionen bundesweit. Nur in Thüringen ist der Wert noch höher (259,2). Der Bundesschnitt liegt bei 160,1.

Die höchsten Inzidenzwerte in Sachsen wurden aus dem Landkreis Zwickau (378,4), dem Erzgebirgskreis (376,8) und dem Vogtland (347,3) gemeldet.

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