Arbeitslosigkeit 18 Prozent höher als vor einem Jahr

31.03.2021 Seit einem Jahr wird Sachsens Arbeitsmarkt von der Corona-Krise gebeutelt. Zwar haben die Arbeitsagenturen mit Millionen-Zahlungen für Kurzarbeitergeld Schlimmeres verhindert. Doch im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit wurde der Freistaat um Jahre zurückgeworfen.

Ein Schild weist den Weg zu einer Agentur für Arbeit. Foto: Jan Woitas/zb/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trotz Kurzarbeit hat Sachsen ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie mit stark gestiegener Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Die Erfolge der vergangenen Jahre seien aufgebraucht und der Freistaat liege bei der Arbeitslosenzahl nun wieder drei Jahre zurück, sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Klaus-Peter Hansen, am Mittwoch. Je länger die Pandemie dauere, desto stärker würden die Folgen am Arbeitsmarkt sichtbar. Die weitere Entwicklung hänge daher davon ab, wie die Pandemie eingedämmt und die Impfkampagne zum Erfolg geführt werde. Hansen: «Ich bleibe optimistisch, dass wir im Sommer die Brandbekämpfung Corona hinter uns haben und anfangen können mit aufräumen.»

Im März ist die Arbeitslosigkeit in Sachsen gesunken, lag aber deutlich über dem Niveau aus der Zeit vor der Corona-Krise. Zuletzt waren den Angaben nach rund 137 300 Menschen arbeitslos gemeldet (Stichtag 11. März). Das waren etwa 3200 weniger als im Februar, aber fast 20 800 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote wurde mit 6,5 Prozent ausgewiesen.

Die Experten führten die jüngste Entwicklung auf die übliche Frühjahrsbelebung zurück. Insgesamt sei der Arbeitsmarkt in Sachsen durch die Corona-Pandemie aber auf das Niveau von 2018 zurückversetzt worden und auf diesem Stand eingefroren, erklärte Hansen. «Für den gesamten Arbeitsmarkt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.»

Das liegt den Angaben nach auch an der Möglichkeit von Kurzarbeit. Die ist mit dem zweiten Corona-Lockdown Ende 2020 wieder stark gestiegen. Im Dezember hätten fast 20 000 Betriebe in Sachsen Kurzarbeitergeld genutzt, informierte die Regionaldirektion in Chemnitz. Das sei etwa jeder fünfte Betrieb. Davon betroffen seien knapp 127 900 Beschäftigte. Im Vergleich zum ersten Lockdown vor einem Jahr habe sich die Kurzarbeit damit zwar etwa halbiert - allerdings «auf höchstem Niveau», betonte Hansen.

Das Instrument wird von den Unternehmen noch immer stark nachgefragt. So hätten im März weitere fast 1000 Betriebe mit knapp 10 300 Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt. Das seien mehr als vor der Corona-Krise im ganzen Jahr 2019, hieß es. Wie viel Kurzarbeit im März tatsächlich genutzt und abgerechnet wird, lässt sich aber erst später ermitteln.

Im regionalen Vergleich lag die Arbeitslosigkeit im Landkreis Görlitz und in der Stadt Leipzig im März am höchsten mit Quoten von mehr als 8 Prozent; am geringsten war sie im Landkreis Zwickau (5,0) und dem Erzgebirgskreis (5,1). Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarktforschung war der Corona-Effekt im vergangenen Jahr in der Stadt Leipzig am höchsten und im Landkreis Nordsachsen am niedrigsten.

Mit dem Rückgang der Arbeitslosenzahl von Februar zu März lag Sachsen im Bundestrend. In Deutschland insgesamt sank die Zahl um 77 000 auf 2,827 Millionen Menschen. Die Arbeitslosenquote betrug 6,2 Prozent.

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