Trierer gedenken am Jahrestag der Opfer der Amokfahrt

01.12.2021 Ein Jahr nach der Amokfahrt haben Trierer am Mittwoch bei einer Gedenkveranstaltung an die Opfer erinnert. Es bleibe bis heute eine «unbegreifliche Tat» mit vielen unbeantworteten Fragen, sagte Bischof Stephan Ackermann in einem ökumenischen Gottesdienst im Trierer Dom. «Die Verarbeitung des Geschehenen steht erst am Anfang.» Am Gottesdienst nahmen knapp 400 Opfer, Angehörige und Rettungskräfte teil.

Ein Stoffteddy sitzt inmitten von Trauerkerzen vor der Porta Nigra. Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kurz zuvor hatte um 13.46 Uhr - der Tatzeit vor einem Jahr - die größte Domglocke vier Minuten lang geläutet. Bei der Amokfahrt durch die Trierer Fußgängerzone waren am 1. Dezember 2020 fünf Menschen getötet worden. Zudem gab es Dutzende Verletzte und rund 300 Traumatisierte. Im Oktober starb dann ein weiterer Mann, der bei der Tat schwer verletzt worden war.

«Wir sind heute hier, weil wir nicht vergessen können», sagte der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius. Und auch, «weil wir nicht vergessen wollen. Wir wollen uns an die Opfer erinnern». Die schreckliche Tat habe das Leben in Trier verändert. Man trauere gemeinsam, teile «das Unverständnis und das Entsetzen, die Wut und Machtlosigkeit». Aber Verzweiflung und Hass sollten das weitere Leben nicht bestimmen, sagte er.

Während des Glockengeläuts stand Trier still. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) hatte die Trierer gebeten, in diesen Minuten der Opfer schweigend zu gedenken. An einer Gedenktafel an der Porta Nigra, die am Freitag enthüllt worden war, hatten Bürger Kerzen aufgestellt. Es war die erste große Gedenkveranstaltung zur Todesfahrt.

Der Amokfahrer war am 1. Dezember 2020 mit seinem Wagen durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Als mutmaßlicher Täter steht seit dem Mitte August ein 52-Jähriger vor dem Landgericht Trier. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor.

Am Abend gab es in der Konstantin-Basilika noch ein Konzert aus Anlass des Jahrestages: ein Requiem, das vom Philharmonischen Orchester der Stadt mit der Dommusik gestaltet wird.

© dpa-infocom GmbH

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