Zehntausende Termine in Saar-Impfzentren bis Jahresende

22.11.2021 Ärzte und Politiker im Saarland beraten darüber, wie die landesweite Impfkampagne bis zum Jahresende laufen soll. Viele Praxen sind sauer, dass der Bundesgesundheitsminister die Menge des Impfstoffs von Biontech deckeln will. Sie drohen mit Konsequenzen.

Eine Spritze mit einem Impfstoff. Foto: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Saarland sollen bis zum Jahresende insgesamt 300.000 Corona-Impfungen möglich sein. Alle Impfberechtigten seien aufgerufen, das flächendeckende Angebot zu nutzen, teilte das Gesundheitsministerium am Montag nach einem Online-Impfgipfel mit, zu dem Ministerin Monika Bachmann (CDU) kurzfristig eingeladen hatte. Anlass war die Entscheidung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Liefermengen des Biontech-Impfstoffes an die Ärzteschaft zu deckeln. Dies sei für Bachmann «nicht akzeptabel».

Mit Ärztevertretern und Landräten habe sich das Ministerium bei dem Impfgipfel auf Eckpunkte geeinigt. Dazu zählt, dass die Impfzentren in Büschfeld, Saarlouis und Neunkirchen am nächsten Montag (29. November) ihren Betrieb aufnehmen sollen. Der Standort Saarbrücken werde voraussichtlich zum Jahresbeginn öffnen. Im Impfzentrum in Büschfeld werde ausschließlich Moderna geimpft. Alle weiteren Impfzentren würden sowohl ein Impfangebot mit Biontech als auch Moderna vorhalten.

Bis Jahresende sollen in den Impfzentren 70.000 Termine vergeben werden, die online oder telefonisch gebucht werden können. Laut Ministerium soll das Buchungsportal am Wochenende freigeschaltet werden. Ab Januar seien dann weitere Impftermine rollierend im Buchungsportal verfügbar.

«An der Einführung einer zweiten Schicht in den Impfzentren sowie der Aufrechterhaltung der mobilen Impfangebote wird mit Hochdruck gearbeitet», hieß es vom Ministerium. Eine entsprechende Ausschreibung für medizinisches Personal laufe aktuell landesweit. Dies werde die Zahl der buchbaren Termine weiter erhöhen.

Zudem planten viele Ärzte zusätzlich Sonderimpftermine. Auch die saarländischen Krankenhäuser würden Impfangebote für medizinisches Personal machen. Darüber hinaus sollen auch die Betriebsärzte die saarländische Impfkampagne unterstützen. Sie seien im Zusammenhang mit der Einführung der 3G-Regelung (Geimpft, Genesen, Getestet) am Arbeitsplatz gebeten worden, ein Impfangebot in den Unternehmen vorzuhalten.

Bislang seien bereits 73.000 Auffrischimpfungen landesweit registriert worden. Das Saarland liege damit im bundesweiten Ranking auf Platz fünf. Die niedergelassene Ärzteschaft im Saarland, die mittlerweile in über 560 Praxen vor Ort impfe, prognostiziere rund 30.000 Impftermine wöchentlich. Das bedeute 150.000 Impfungen bis zum Jahresende

Die Kassenärztliche Vereinigung hatte zuvor mitgeteilt, dass viele niedergelassene Ärzte im Saarland angekündigt hätten, sich wegen der bevorstehenden Kontingentierung aus der Impfung zurückzuziehen. Mit der Ankündigung, die Liefermengen von Biontech auf 30 Dosen pro Arzt zu begrenzen, «würgt der Bundesgesundheitsminister den Impfturbo ab und verursacht Chaos in den Praxen», so die KV.

Die Ärzte befürchteten, dass bundesweit Millionen von Menschen angerufen werden müssten und Millionen unerfreuliche, konfliktbeladene Gespräche drohten. Diese Zeit und Energie fehle für die dringend notwendigen Impfungen und gehe auch zulasten der normalen Versorgung.

Derweil hat die Landeselternvertretung der Gymnasien an Ungeimpfte appelliert, «das Schutzangebot endlich anzunehmen». Auch im Modellland Saarland spitze sich die Corona-Lage rasant zu. «Darunter leiden in besonderem Maße Kinder und Jugendliche - und das unverschuldet», so der Vorstand.

Zwar gebe es noch keine validen Studien über die Langzeitfolgen der Impfungen, die Folgen von Schulschließungen und Lockdowns auf Kinder und Jugendliche seien dagegen erforscht. «Das von CDU und SPD auf den Weg gebrachte Aufholprogramm ist zu kurz gedacht und seinen Namen kaum wert. Es kommt an den meisten Stellen nicht an», so die Vorsitzende Katja Oltmanns. Die psycho-sozialen Folgen für Kinder und Jugendliche seien enorm und würden unsere Gesellschaft noch Jahre beschäftigen.

Eindringlich bitte die Landeselternvertretung daher alle, für die die Corona-Impfung empfohlen und möglich sei, sich impfen zu lassen. «Nur gemeinsam werden wir diese Krise bewältigen können», hieß es.

© dpa-infocom GmbH

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