Holnburger: Provokation ist Merkmal der Pandemie-Leugner

21.09.2021 Nach der tödlichen Attacke in Idar-Oberstein wegen eines Streits um die Maskenpflicht rücken Gegner der Corona-Regeln wieder in den Fokus. «Die Maßnahmen abzulehnen ist ein sehr starkes Identifikationsmerkmal unter Pandemie-Leugnern», sagte am Dienstag der Politikwissenschaftler Josef Holnburger vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), das unter anderem Radikalisierungstendenzen in sozialen Medien beobachtet.

Blumen und Kerzen sind vor einer Tankstelle aufgestellt. Foto: Birgit Reichert/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vor dem tödlichen Schuss auf den 20-jährigen Tankstellen-Kassierer am Samstag hatte der 49-jährige Verdächtige provokant die Maske abgesetzt und sich damit gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gestellt. «Eine Maske zu tragen würde als Eingeständnis gelten, dass es die Corona-Pandemie überhaupt gibt», sagte Holnburger der Deutschen Presse-Agentur.

Vermehrt sei zu beobachten, dass etwa Querdenker konkret provozieren wollen - etwa indem sie die Maske absichtlich falsch tragen. Damit werde eine Eskalation herbeigewünscht, so Holnburger. «Der Fall in der Tankstelle würde sehr gut in dieses Schema hineinpassen.»

Bisher ist jedoch nicht geklärt, ob der Tatverdächtige der Querdenker-Szene zuzurechnen ist. Noch nie sei der 49-Jährige etwa als Teilnehmer einer Pandemie-Leugner-Demo aufgefallen, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

Aus Ermittlerkreisen wurde am Dienstag aber bekannt, dass der Mann in den Theorien der Corona-Leugner «bewandert» sei. «Er kennt die Quellen und hat auch angegeben, dass er sich da schlau gemacht hat», hieß es. Ob er sich in sozialen Netzwerken radikalisiert hat, ist bisher nicht belegt. Mehr Klarheit erhoffen sich die Ermittler vor allem von der Auswertung der sichergestellten elektronischen Geräte.

Im Internet wird die Attacke in Idar-Oberstein nach CeMAS-Erkenntnissen teilweise bereits umgedeutet als sogenannte False-Flag-Aktion. Die Unterstellung: Die Attacke sei inszeniert worden, um die Szene zu diskreditieren. «Selbst eine extreme Tat wie eine Ermordung wird von Querdenkern für ihre Zwecke instrumentalisiert», sagte Holnburger. Rechtsextremisten hingegen würden im Netz sogar noch weiter gehen und dem Verdächtigen für seine Tat applaudieren.

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