Dehoga will gemeinsamen Kraftakt für heimischen Tourismus

21.09.2021 Erst Lockdown, dann Flutkatastrophe: Der Tourismus in Rheinland-Pfalz hat schwere Rückschläge einstecken müssen. Damit es wieder aufwärts geht, sind nach Ansicht des Gastgewerbes gemeinsame Anstrengungen von Politik und Betrieben nötig. Und auch die Gäste können helfen.

Gereon Haumann, Präsident von DEHOGA Rheinland-Pfalz, spricht. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kaum eine Branche in Rheinland-Pfalz hat unter dem Corona-Lockdown so gelitten wie der Tourismus. Viele Hoteliers, Besitzer von Pensionen und Vermieter von Ferienunterkünften hatten nach ersten Lockerungen der Beschränkungen ihre ganze Hoffnung auf das Sommergeschäft gesetzt. Doch die herbeigesehnte Erholung blieb aus. Im Juni lag die Gästezahl sechs Prozent hinter dem Vorjahr zurück, für den Juli verzeichnete die vorläufige Statistik sogar einen Einbruch von 17,5 Prozent gegenüber Juli 2020.

Ein wichtiger Grund dafür könnte sein, dass Menschen, die ihren Urlaub in Rheinland-Pfalz verbringen wollten, ihre Reise nach der Flutkatastrophe Mitte Juli kurzfristig absagten. Dabei erfassten die Stornierungen nach Einschätzung des Statistischen Landesamt nicht nur das besonders hart betroffene Ahrtal, auch die angrenzenden Tourismusregionen wie Eifel, Mosel-Saar und Hunsrück blieben nicht verschont.

Noch drastischer ist der Rückgang, wenn man auf die Vor-Corona-Zahlen blickt: Im ersten Halbjahr 2021 lag die Zahl der Gäste in Rheinland-Pfalz laut Statistik um 74 Prozent unter dem Wert von 2019. «Wir sind nach wie vor in einer desaströsen Lage», sagt der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann, der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe in der Branche weiterhin «viele gefährdete Existenzen».

Der rheinland-pfälzische Tourismus braucht nach seinen Worten weiter volle Unterstützung der Politik auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene. «Die seit Monaten im Mark getroffene Brache wird sich allein nicht retten können», befürchtet Haumann. Aber auch die Branche selbst und die Gäste könnten einen wichtigen Beitrag leisten, damit es wieder aufwärts gehe.

Vom Bund forderte er die dauerhafte Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke sowie «wesentliche Flexibilisierungen im Arbeitszeitgesetz». In Rheinland-Pfalz gebe es wie in vielen anderen Bundesländern nur eine Saison: die Sommersaison. «Und deshalb ist es dringend notwendig, dass wir Mitarbeiter dann einsetzen dürfen, wenn Gäste da sind», fordert er. So wäre es eine enorme Erleichterung, wenn die Betriebe Jahresarbeitszeitkonten einrichten dürften, die einen Ausgleich von Überstunden nicht innerhalb von vier, sondern von zwölf Monaten erlauben würde. Außerdem müsse der Bund auf Steuererhöhung verzichten und die Verdienstobergrenze bei Minijobs von 450 auf 600 Euro anheben.

Sollte die Flexibilisierung bei der Arbeitszeit auf Bundesebene nicht erreicht werden, könne das Land «den Libero spielen und ausputzen», damit Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe als Saisonarbeitsbranche anerkannt werde, schlägt der Dehoga-Präsident vor. Darüber hinaus könne das Land die jetzt im Doppelhaushalt für den Tourismus zur Verfügung gestellten 25 Millionen jährlich auch in den kommenden Jahren bereitstellen und nicht nur 10 Millionen Euro, wie in der Vergangenheit.

«Die Kommunen können ganz viel tun - und das machen sie auch», zählt Haumann weiter auf. Er nennt in diesem Zusammenhang die Ausweisung zusätzlicher Außenflächen für die Gastronomie und den Verzicht auf Nutzungsgebühren. «Das brauchen wir auch im nächsten Jahr.»

Die Branche selbst muss seiner Ansicht nach mehr tun, um die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich während des Lockdowns einen Job außerhalb der Gastronomie gesucht haben, zu ersetzen. «Die werden wir nur zurückgewinnen, wenn wir eine bessere Bezahlung bieten», betont er. «Da muss es einen kräftigen Schluck aus der Pulle geben.» Bei den Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften müssten «gute Löhne» vereinbart werden. Die Betriebe müssen daher ihre Personalkostenbudgets aufstocken. «Und wer das tut, wird seine Preise erhöhen müssen.»

Haumann zeigt sich zuversichtlich, dass Kunden für höhere Preise Verständnis haben werden. Mit seinen vielen kleinen Betrieben könne der Tourismus in Rheinland-Pfalz kein Preisbrecher sein, wohl aber «Qualitätsführer im Wetterstreit der europäischen Urlaubsdestinationen». Er fügte hinzu: «Qualität, Originalität und Regionalität müssen unser Meeresrauschen und unser Alpenglühen sein, mit dem andere werben.»

Strukturell sieht Haumann für den Tourismus in Rheinland-Pfalz nicht zuletzt wegen des in Pandemie wiedererstarkten Wunsches vieler Bundesbürger nach Urlaub im eigenen Land gute Voraussetzungen. «Wir werden allein aufgrund der geografischen Lage von der Renaissance des innerdeutschen Tourismus profitieren, weil 50 Millionen Menschen um uns herum innerhalb von zwei Stunden Anreise in Rheinland-Pfalz sind», sagt er.

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