Saarland-Modell soll vereinfacht werden

02.09.2021 Einen erneuten Lockdown lehnt der saarländische Ministerpräsident ab, ebenso wie eine Impfpflicht. Stattdessen setzt Tobias Hans vor allem aufs Impfen beim Bekämpfen der Corona-Pandemie.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans spricht während eines Interviews. Foto: Oliver Dietze/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Bestimmungen des Saarland-Modells zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen überarbeitet und an die neuen Gegebenheiten wie etwa den Impffortschritt angepasst werden. Das kündigte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) am Donnerstag in Saarbrücken an. «Das bedeutet erstmal eine Vereinfachung der ganzen Regeln», sagte er. Er glaube, man müsse «aus diesen Korsetten», die sich aus den Inzidenzen ergeben, herauskommen, «um das Ganze lesbarer und nachvollziehbarer zu machen» für die Bürgerinnen und Bürger.

Eine entsprechende Weiterentwicklung des Modells habe er in der letzten Ministerratssitzung in Auftrag gegeben. Auch ein Indikator zur Belegung mit Intensivbetten, wie ihn Bayern anlege, sei nicht uninteressant und solle in die Überlegungen einbezogen werden. «Ich will nicht ausschließen, dass das eine Lösung sein kann.» Allerdings glaube er, dass eine solche starre Regelung in einem kleinen Land wie dem Saarland nicht unbedingt sinnhaft sei.

Der Fokus müsse darauf gelegt werden, dass die Belastung des Gesundheitssystems gut unter Kontrolle sei. Die Menschen müssten wissen, dass dies der maßgebliche Indikator dafür sein könne, wenn es noch einmal zu schärferen Maßnahmen komme. Dabei sei jedoch ganz klar, dass es einen Lockdown nicht mehr geben werde. Dies sei für ihn «unumstößlich». «Es kann nicht sein, dass Menschen, denen wir das von Anfang an in der Pandemie versprochen haben, dass wir zur Normalität zurückkehren, wenn Impfstoff da ist, jetzt nochmal eingeschränkt werden. Das darf auf keinen Fall passieren», betonte Hans.

Für den öffentlichen Raum halte er die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) für absolut ausreichend und gut geeignet. Eine sogenannte 2G-Regelung, die nur Geimpften und Genesenen Zutritt zu bestimmten Einrichtungen und der Gastronomie erlaubt, solle flächendeckend nicht eingeführt werden. «Ehrlich gesagt möchte ich keine Gesellschaft haben, in der Menschen, die schwanger sind, oder Familien mit Kindern nicht mehr vor die Tür gehen und nicht mehr ins Restaurant gehen können. Das kann nicht sein», so der Ministerpräsident.

Gleichwohl könne man eine 2G-Regelung im privaten Bereich - etwa bei Veranstaltungen in der Gastronomie oder in Clubs - nicht verhindern. Das überarbeitete Saarland-Modell soll entsprechende Regelungen ermöglichen. Eine Befreiung von der Maskenpflicht für Geimpfte und Genesene lehnte der Ministerpräsident ab, ebenso wie eine Impfpflicht. Diese könne dazu führen, dass es gerade in Mangelberufen wie der Pflege zu viele Aussteiger gebe, befürchtet Hans. Auch in fünf Jahren, wenn sich der Pflegemangel noch weiter ausgewirkt habe, werde man sich dann noch dafür verantworten müssen, wieso man Leute aus der Pflege in andere Berufe gedrängt habe. Alternativ sprach sich Hans für Appelle auch an die Solidarität der Menschen untereinander aus. «Wir bräuchten uns um unsere Schülerinnen und Schüler keine Sorgen zu machen, wenn die Erwachsenen alle geimpft wären.»

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