Keine Seuchengefahr im Flutgebiet - Gottesdienst für Opfer

28.08.2021 Das Hochwasser im Juli hat weite Teile des Ahrtals zerstört. Die Gesundheitsversorgung stabilisiert sich inzwischen. In Aachen rückt ein Gottesdienst die Opfer der Flutkatastrophe in den Mittelpunkt.

Merkel, Dreyer (SPD), Schäuble (CDU) und Laschet (CDU), verfolgen im Dom einen ökumenischen Gottesdienst. Foto: Oliver Berg/dpa-Pool/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Befürchtungen von Seuchen im flutgeschädigten Ahrtal mit 133 Todesopfern haben sich nach Aussagen von Experten nicht bestätigt. Leichen von Menschen und Tieren, Fäkalien, Heizöl, Pflanzenschutzmittel und vieles mehr waren in der Katastrophennacht auf den 15. Juli von dem Hochwasser nach einem extremen Starkregen durch das Flusstal geschwemmt worden.

Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ich habe Seuchen befürchtet. Es hat auch Hinweise zum Beispiel auf Durchfallerkrankungen gegeben, aber zum Glück nicht auf echte Seuchen.» Günther Mattheis, Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, betonte: «Mir sind keine Seuchen bekannt.»

Unterdessen schlug der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf vor, den ehemaligen Präsidenten des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme, mit einer Überprüfung des Katastrophenschutzes in Rheinland-Pfalz zu beauftragen. «Mit seiner Feuerwehr- und THW-Erfahrung besitzt er den notwendigen Sachverstand», sagte Baldauf nach einem weiteren Besuch im Katastrophengebiet an der Ahr. Da Broemme auch vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) um eine solche Expertise gebeten worden sei, könnten mit der länderübergreifenden Prüfung zusätzliche Vorteile erzielt werden.

In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gedachten die großen Kirchen am Samstag der Opfer der Flutkatastrophe. «Welch eine Zerstörung in so kurzer Zeit!», sagte Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, im Aachener Dom. Er rief in Erinnerung, dass Menschen in den Fluten ihre Angehörigen, ihr Hab und Gut, Erinnerungsstücke und die Existenzgrundlage verloren hätten.

Durch das Hochwasser waren Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 180 Menschen ums Leben gekommen. Zu dem Gedenken kamen auch Geschädigte der Flutkatastrophe, Hinterbliebene, Helferinnen und Helfer und Notfallseelsorger. In bewegenden Worten schilderten Betroffene ihre Erlebnisse in den dramatischen Stunden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief in einer Ansprache nach dem Gottesdienst auf, den Klimawandel entschlossen zu bekämpfen. Deutschland müsse sich darauf einstellen, in Zukunft häufiger und heftiger von extremen Wetterlagen getroffen zu werden. «Und wir müssen viel umfassender Vorsorge treffen, um uns besser zu schützen.»

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, äußerte die Hoffnung, dass das Schicksal der Menschen, an dem alle Anteil nähmen, das Land verändere. «Dass wir alles dafür tun, damit Menschen in der Zukunft solches Leid erspart bleibt.» Er ging auch auf die Ursachen des Hochwassers ein. «Die Folgen des menschengemachten Klimawandels sind bei uns angekommen. Das haben wir verstanden», sagte Bedford-Strohm.

Von dem Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen worden war auch das Landesimpfzentrum Grafschaft-Gelsdorf - dort war seither kein Impfen mehr möglich. Als Ersatz wurde in Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum der Stadt Koblenz und des DRK Kreisverbands Koblenz vor dem Ahrweiler Bahnhof ein mobiler Impfbus aufgestellt. Darüber hinaus waren mobile Impftrupps des DRK unterwegs. «Seit dem 20. Juli wurden mehr als 5000 Corona-Schutzimpfungen durchgeführt», teilte die Kreisverwaltung am Samstag mit. In Absprache mit dem Wissenschaftsministerium werde von Montag (30.8.) an der Regel-Impfbetrieb als normale Versorgung durch die niedergelassenen Haus- und Fachärzte durchgeführt, hieß es.

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