Umfrage zu Corona: Jugend blickt besorgt in die Zukunft

27.08.2021 Wie gehen junge Menschen mit den Corona-Einschränkungen um? Und worunter leiden sie? Diesen Fragen sind Experten nachgegangen - und haben von jungen Rheinland-Pfälzern wichtige Antworten bekommen.

Eine FFP2-Maske liegt auf einem Leuchttisch. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Pandemie hat einer landesweiten Umfrage zufolge den Blick junger Menschen in die eigene Zukunft getrübt: Mehr als die Hälfte (53,7 Prozent) der Befragten zwischen 14 und 27 Jahren gab an, mit Sorgen in ihre Zukunft zu blicken, sagte Jugendministerin Katharina Binz (Grüne) am Freitag in Mainz. Weitere rund zwölf Prozent sagten sogar, die Zukunftsaussichten seien «düster».

Bei jungen Menschen aus Familien mit finanziell schwierigen Situationen seien diese Sorgen, vor allem den angestrebten Abschluss nicht zu erreichen oder den Ausbildungsplatz zu verlieren, noch größer. «Wir müssen die jungen Menschen bestmöglich dabei unterstützen, jetzt Lernrückstände aufzuholen und Bildungsabschlüsse zu erreichen», sagte die Ministerin. «Dass sich diese Sorgen nicht realisieren, sondern sich die Zukunftsperspektive ins Positive wandelt.»

An der Online-Befragung «Jugend in Zeiten von Corona» im Auftrag des Ministeriums hatten von Mitte März bis Mitte April - also im Lockdown - rund 5500 junge Menschen mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz mitgemacht. Die Durchführung lag bei der Servicestelle Kinder und Jugend, die beim Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ISM) angesiedelt ist.

Die Befragten machten sich vor allem Sorgen darüber, dass das Leben langfristig eingeschränkt bleiben könnte. Besonders negativ erleben junge Menschen die Corona-Einschränkungen im Kontakt zu ihren Freunden, zur Familie und zu Bekannten sowie in der Freizeit. Hier gaben knapp 80 Prozent an, belastet zu sein. Dennoch hätten sich die Befragten überwiegend an die Einschränkungen gehalten, sagte Binz.

Knapp 30 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hielten die Maßnahmen für angemessen. Rund 35 Prozent bewerteten sie sogar für nicht weitgehend genug und hätten sich konsequentere Maßnahmen gewünscht. Und: 71 Prozent lehnten Demonstrationen gegen Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen ab.

«Für mich ist es sehr wichtig, dass kein negatives Jugendbild in der Pandemie gezeichnet wird. Vielmehr ist deutlich zu machen, dass junge Menschen überwiegend solidarisch und verantwortungsvoll handeln und Politik und Gesellschaft dieses Handeln wertschätzen und das auch entsprechend vermitteln», sagte Binz.

In der Befragung sei auch deutlich geworden, dass junge Menschen mit ihren Belangen beteiligt werden wollen. Sie hätten weniger Sorgen, wenn sie sich gesellschaftlich eingebunden und gehört fühlten. Gut Zweidrittel hätten den Wunsch nach mehr Mitbestimmung geäußert, auch bei den Corona-Maßnahmen. «Für mich zeigen diese Ergebnisse, dass wir die politische Beteiligung stärken und in dieser Legislaturperiode endlich das Wahlalter 16 realisieren müssen», sagte Binz.

ISM-Vorstand Heinz Müller sagte, die Ergebnisse der Befragung seien aufgrund der hohen Beteiligung auch von bundesweiter Bedeutung. Anders als andere habe man neben Schülern auch Studenten und Auszubildende in den Blick genommen. Er betonte, dass die Folgen der Corona-Krise nicht alle gleich treffen. «Der Indikator Armut ist der entscheidende.» In Rheinland-Pfalz lebten rund zwölf Prozent der Kinder in Armut. «Da ist jedes achte Kind.» Das betreffe in Rheinland-Pfalz rund 40.000 Schülerinnen und Schüler.

Die Ergebnisse sollten im November in zwei landesweiten Jugend-Hearings mit jungen Leuten diskutiert und gewichtet werden, kündigte die Ministerin an. Zudem sollte eine solche Befragung künftig regelmäßig gemacht werden. «Es ist ein gutes Instrument, um die jungen Menschen zu Wort kommen zu lassen.» Die Ergebnisse flössen in politisches Handeln ein.

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