Bildungsexperte: Corona fördert Neigung zum Studieren

14.08.2021 Nach Einschätzung des Berufsbildungsexperten Friedrich Hubert Esser könnte die Zahl der Schulabgänger, die lieber studieren als eine Ausbildung absolvieren wollen, durch die Pandemie weiter steigen. «Ich sehe die Gefahr, dass wir bei der Bildungsorientierung, die wir schon vor Corona hatten, künftig noch mehr zu kämpfen haben, weil viele unabhängiger von solchen Krisen werden wollen», sagte der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Wegeleitsystem in einem Hörsaal zu sehen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auch viele Eltern würden ihren Kindern heute vermehrt zu einem Studium raten, weil sie in der Pandemie gesehen hätten, wie schnell Selbstständige wirtschaftliche Probleme bekommen könnten. Schon die Erfahrungen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und 2009 hätten gezeigt, dass die Ausbildungszahlen massiv zurückgegangen seien. «Wir müssen die Entwicklung nun genau beobachten und gegensteuern, wenn diese Studierneigung weiter zunimmt», sagte der Professor für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Andernfalls könne der Fachkräftemangel die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe bedrohen.

Die Leiterin der Arbeitsagentur Rheinland-Pfalz-Saarland, Heidrun Schulz, teilt seine Befürchtungen. Daher sollen nun Spezialisten in den Agenturen gezielt helfen, sogenannten «Studienzweiflern» den Weg in die Ausbildung zu ebnen. Derzeit gebe es im Saarland 2300 unbesetzte Ausbildungsstellen, aber nur 1300 Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle. Umso wichtiger sei es für Betriebe, sich für Bewerber attraktiv zu machen.

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