Diskussion ums Krisenmanagement: Nothilfe aufgestockt

13.08.2021 Immer wieder werfen Helfer dem Krisenstab mangelnde Koordination vor. Auch über die finanzielle Unterstützung hat es Beschwerden gegeben. Krisenstab und Landesregierung treten dem entgegen.

Vier Wochen nach der Flutkatastrophe laufen in der Altstadt von Ahrweiler die Aufräumungsarbeiten weiter. Foto: Thomas Frey/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Krisenstab für das Katastrophengebiet im Ahrtal hat Kritik an der Koordination der Hilfsangebote zurückgewiesen. «Das Zusammenspiel funktioniert wirklich hervorragend», sagte der Leiter des Krisenstabs, Thomas Linnertz, am Freitag in Bad Neuenahr-Ahrweiler. «Es geht darum, den Menschen hier im Tal zu helfen. Es gibt keinen Wettbewerb zwischen Menschen in Uniform und Menschen in Traktoren oder in Lkws.»

Linnertz reagierte damit auf Kritik von freiwilligen Helfern und der CDU-Landtagsfraktion. Helfer hatten kritisiert, es gebe keine zentrale Koordination bei Leistungen von Bauern oder Bauunternehmern, die ins Tal kämen, um zu helfen. CDU-Fraktionschef Christian Baldauf sprach sich dafür aus, auf das Angebot der Bundeswehr einzugehen und Offiziere mit Erfahrungen in der Bewältigung von Katastrophen stärker in die Führungsarbeit des Krisenstabs einzubinden.

Durch den Einsatz von bis zu 5000 Hilfskräften täglich sei es gelungen, «diese akute Gefahrenlage aufzuarbeiten», sagte Linnertz. Ohne die freiwilligen Helfer wäre das ihm zufolge nicht möglich gewesen. Heute seien Brandschutz, Rettungsdienst und medizinische Versorgung wieder gewährleistet, alle Orte wieder zumindest notdürftig erreichbar, die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser und Verpflegung stabil. Die Öl-Schadensbeseitigung und das Abpumpen der Keller gehe voran und werde wohl Ende der nächsten Woche abgeschlossen sein.

Allen sei bewusst, dass «noch wahnsinnig viel zu tun» sei, sagte er. «Und dass wir auch weiterhin die Hilfe von den Freiwilligen, den Unternehmern, den Landwirten, den Lohnunternehmern und den Bauunternehmern und irgendwann auch von den Handwerkern brauchen werden, die massiv im Tal zu Arbeiten kommen müssen, um die Menschen zu unterstützen.»

Die rheinland-pfälzische Landesregierung stockte die Soforthilfe zur finanziellen Unterstützung der Kommunen nach der Flutkatastrophe im Ahrtal um weitere 40 Millionen auf nunmehr 100 Millionen Euro auf. Einen entsprechenden Entschluss habe der Ministerrat am Freitag gefasst, teilte die Regierung mit. Die zusätzlichen Mittel sollen nach Bedarf ausgezahlt werden. Vor allem im Landkreis Ahrweiler könnten mit den Geldern insbesondere auch die Rechnungen der beauftragten Landwirte und Lohnunternehmen bezahlt werden, hieß es.

In den vergangenen Tagen waren immer wieder Beschwerden von ehrenamtlichen Helfern über mangelnde finanzielle Unterstützung ihrer Arbeit und Unklarheit über entsprechende Regelungen laut geworden. Viele von ihnen - zumeist Bauern, Handwerker und Bauunternehmer - reisten mit eigenen Fahrzeugen und Gerätschaften in das Katastrophengebiet.

Mit einem Staatsakt gedenkt Rheinland-Pfalz am 1. September der Opfer der verheerenden Flutkatastrophe. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) will dazu die Angehörigen von Toten und Vermissten sowie Verletzte, Geschädigte, Hilfskräfte und Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der betroffenen Orte auf den Nürburgring einladen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte sein Kommen laut Staatskanzlei bereits zu.

Die bei der Flut zerstörten Straßen und Brücken im Ahrtal sollen möglichst zügig wieder aufgebaut werden: Dazu werde der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz in den nächsten zwei Wochen im Ahrtal ein eigenes Projektbüro einrichten, teilte Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP) mit. Bei der Hochwasserkatastrophe vor vier Wochen seien an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen Schäden in Höhe von mindestens 200 Millionen Euro entstanden.

Die Bundesregierung will nach einem Medienbericht noch in diesem Jahr 16 von insgesamt 30 Milliarden Euro Fluthilfe auszahlen. Eine Staatssekretärsrunde der beteiligten Ministerien habe sich am Donnerstag auf wichtige Details geeinigt, berichtete der «Spiegel». Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bestätigte am Freitag nur, dass ein Gesetzentwurf zum Thema am Mittwoch im Kabinett verabschiedet werden soll und dass dafür Vorarbeiten liefen.

Bei der Flut im Ahrtal waren 133 Menschen ums Leben gekommen, 766 wurden verletzt. Es werden noch drei Menschen vermisst. Am 14. und 15. Juli hatte extremer Starkregen eine Flutwelle ausgelöst und weite Teile des Tals unter Wasser gesetzt und zerstört.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News