133 Menschen starben in der Flut an der Ahr

12.08.2021 Vier Wochen nach der verheerenden Flut im Ahrtal werden noch vier Menschen vermisst. Die Zahl der Toten wird mittlerweile mit 133 angegeben. In der Katastrophenregion wird weiter mit Öl versetztes Wasser aus Häusern gepumpt.

Zerstörte PKW liegen in Bad Neuenahr am Strassenrand. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal vor vier Wochen sind nach neuen Erkenntnissen der Polizei 133 Menschen ums Leben gekommen. Von den 141 geborgenen Toten seien 8 keine Flutopfer gewesen, sagte Polizeirat Florian Stadtfeld am Donnerstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Diese acht Toten seien vor der Flut bereits aufgebahrt oder schon beerdigt gewesen, erläuterte eine Sprecherin der Polizei in Koblenz. Zwei weitere Menschen hätten sich nach der Katastrophe das Leben genommen, sagte Stadtfeld.

136 der geborgenen 141 Toten seien zweifelsfrei identifiziert, sagte Stadtfeld. Darunter seien fünf der acht, die schon vor der Flut gestorben waren. Vier Menschen werden noch vermisst. Möglicherweise seien diese unter den noch nicht Identifizierten. 766 Menschen wurden bei der Flutkatastrophe verletzt.

Am 14. und 15. Juli hatte extremer Starkregen an der Ahr eine Flutwelle ausgelöst und weite Teile des Tals unter Wasser gesetzt und zerstört. Rund 42.000 Menschen sind von den Folgen betroffen.

Rund 3400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk, Hilfsorganisationen und Bundeswehr seien noch immer im Einsatz. Die Bundeswehr werde noch solange bleiben, bis ihre Aufgaben an zivile Kräfte übergeben werden könnten, sagte der Kommandeur des Landeskommandos Rheinland-Pfalz, Stefan Weber. Ein erster Schritt sei die Treibstoffversorgung, die jetzt von Privaten übernommen werde.

«Wir sind dabei, Millionen von Litern an Öl-Wasser-Gemisch aus den Häusern zu pumpen», sagte der Leiter des Krisenstabs, Thomas Linnertz. Dies werde voraussichtlich auch noch nächste Woche weitergehen.

Hinweise auf Seuchengefahr oder Erkrankungen gibt es nach Auskunft des Krisenstabs nicht. Gesundheitsrisiken für Menschen könnten aber auch nicht ausgeschlossen werden, betonte Linnertz. Daher sollten im Umgang mit dem Staub Masken und Handschuhe getragen werden, der Schlamm nicht in Kontakt mit der Haut kommen und kein Ahrwasser benutzt werden.

Besonders schlimm getroffen habe es die Verbandsgemeinde Altenahr, in der 80 bis 90 Prozent der Häuser zerstört seien oder es sich nicht mehr lohne, sie aufzubauen. In Sinzig funktionierten dagegen die Trinkwasserversorgung und der Strom bereits wieder. In Bad Neuenahr-Ahrweiler sei das Wasser in den Leitungen, aber noch nicht genügend Leitungsdruck da. «Das Stromnetz ist noch sehr fragil», mahnte Linnertz. Der Notstrom reiche nicht für schwere Heizgeräte zum Trocknen. Dies könne dazu führen, dass ganze Straßen wieder dunkel blieben und gar keinen Strom mehr hätten. Das größte Problem sei das Gas, es könne mancherorts bis zum Jahresende dauern, bis dieses wieder da sei.

Noch keinen Überblick gebe es darüber, wer noch keine Perspektive oder Unterkunft für die nächsten Monate habe und eine Notunterkunft brauche, sagte Linnertz. «Es wird aber niemand im Winter ohne Versorgung oder Dach über dem Kopf bleiben.» Er sei auch mit Blick auf den mit 30 Milliarden Euro ausgestatteten Hilfsfonds zuversichtlich, dass die Situation im Tal bald wieder in eine andere Richtung gelenkt werden könne und die Menschen rasch Kraft schöpfen und Perspektiven entwickeln könnten.

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