Patientenschützer Brysch: «Strafrecht reicht nicht aus»

06.08.2021 Nach der Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens zur Flutkatastrophe vom 14. Juli hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz eine umfassende Aufklärung zum Tod von zwölf Bewohnern einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Sinzig gefordert. «Drei Wochen nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sorgen weder der Betreiber Lebenshilfe, die Stadt Sinzig noch der Kreis Ahrweiler für ausreichend Transparenz», kritisierte am Freitag der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, und fragte: «Warum mussten so viele Menschen sterben, die in einer geschützten Einrichtung gelebt haben?»

Eugen Brysch, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Foto: -/Deutsche Stiftung Patientenschutz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bereits vor der Flut sei klar gewesen, dass sich die hilfsbedürftigen Bewohner nicht selbst retten könnten. Obwohl es offenbar standardisierte Einsatzpläne zur möglichen Gefahrenabwehr gegeben habe, seien die Bewohner nicht vor der Katastrophe geschützt worden. «Mit dem Strafrecht allein wird diese Katastrophe nicht aufzuarbeiten sein», sagte Brysch. «Es bedarf der Aufklärung und persönlicher Konsequenzen aller Verantwortlichen.» Die Hinterbliebenen müssten endlich Antworten bekommen.

Die am Ufer der Ahr gelegene Einrichtung der Lebenshilfe mit 34 Wohnplätzen war in kurzer Zeit überflutet worden. Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des Wohnheims zu bringen, hatte die Lebenshilfe danach mitgeteilt. Die Wassermassen seien aber so rasant in das Gebäude eingedrungen, dass es für die anderen Bewohner keine Chance mehr gegeben habe.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz begann danach mit der Untersuchung der Todesumstände der Bewohner in der Einrichtung in Sinzig. Inzwischen wurde wegen der Katastrophe im Ahrtal insgesamt ein Ermittlungsverfahren gegen den Landrat des Landkreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), sowie gegen ein weiteres Mitglied des Krisenstabs eingeleitet. Es gehe um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen am Abend des Hochwassers vom 14. Juli, teilte die Behörde am Freitag mit.

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