Neue Fördermodelle für Erhaltung der Wälder gefordert

05.08.2021 Umweltministerin Schulze und Grünen-Vorsitzender Habeck sind für neue Förderanreize. Die Holznutzung dürfe nicht mehr einseitig im Vordergrund stehen. Wohllebens Waldakademie setzt ein eigenes Forum gegen den Waldgipfel der Regierung.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Foto: Marcel Kusch/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weniger Holznutzung, mehr Naturnähe - diese Forderungen standen am Donnerstag im Mittelpunkt eines «Nationalen Waldgipfels» in der Eifel. Dabei sprachen sich sowohl Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) als auch der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck für neue Förderanreize aus, um die Wälder mit Blick auf den Klimawandel widerstandsfähiger zu machen.

«Der Wald muss umgebaut werden oder die Möglichkeit haben, sich selber umzubauen», sagte Schulze in einem Grußwort zu der zweitägigen Konferenz, zu der die Waldakademie des Försters und Autors Peter Wohlleben in Wershofen (Kreis Ahrweiler) eingeladen hatte. Das einseitige Verständnis, den Wald als Plantage für die Holzproduktion zu nutzen, habe keine Zukunft mehr, sagte Schulze. Der Wald sei «ein echtes Multitalent», fügte sie mit Blick auf die Funktionen für den Wasserhaushalt, als CO2-Speicher und als Raum für die Artenvielfalt hinzu. Schulze warb für das Ziel der Biodiversitätsstrategie, fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland einer natürlichen Entwicklung zu überlassen.

«Die Aufgabe kann nicht nur darin bestehen, Naturwälder auszuweisen», erwiderte Habeck. «Die Bewirtschaftung insgesamt muss sich ändern.» Da der Wald in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter strapaziert werde, müsse die Nutzung reduziert werden. «Das ist die logische Konsequenz.» Dazu schlug er die Einrichtung eines «Waldzukunftsfonds» vor, aus dem bisherige Nutzer dafür entschädigt werden könnten, dass die Nutzung deutlich reduziert werde. In der Holzwirtschaft müsse es zudem eine «geschlossene Kaskadennutzung» geben. Dies schließe aus, dass Holz weiter für Wegwerfprodukte wie Papier verwendet werde.

«Wald ist immer der Prügelknabe», sagte Wohlleben. «Wenn irgendwas gebraucht wird, wird im Zweifelsfall der Wald beseitigt.» Dies zeige sich bei der Einrichtung von Windkraftanlagen im Wald, für die riesige Schneisen geschlagen werden müssten. Diese sollten nur noch an bereits belasteten Flächen wie entlang von Autobahnen installiert werden.

Die Konferenz ist auch als Gegenveranstaltung zum «Nationalen Waldgipfel» angelegt, der als Initiative von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) Anfang Juni zum zweiten Mal stattfand. Dabei kündigte Klöckner an, die bisherigen Hilfen für Waldbesitzer zu verstetigen und auszubauen. Mit Blick auf beide Foren erklärte am Donnerstag Johann Rathke vom WWF Deutschland: «Wir brauchen dringend einen Paradigmenwechsel in der Forstpolitik: Erst das Ökosystem, dann alles andere!»

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