Krisenstab meldet Fortschritte im Ahrtal

26.07.2021 Nach der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal hat der Krisenstab erste Erfolge gemeldet. Am Sonntag sei die doppelte Menge an Müll aus der Krisenregion um Bad Neuenahr-Ahrweiler gebracht worden, nachdem der private Verkehr eingeschränkt worden sei, sagte die Leiterin des Stabs, Begoña Hermann, am Montag. Zudem stehe jetzt ein Brückenkonzept, das nach und nach umgesetzt werde. Es sehe zunächst vor, die bisherigen drei Notbrücken in Rech, Liers und Insul durch provisorische Brücken zu ersetzen. Und: Die Post werde in weiten Teilen wieder zugestellt.

Helfer des Technischen Hilfswerks errichten eine Behelfsbrücke für die Ahr. Foto: Thomas Frey/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Innenminister Roger Lewentz (SPD) berichtete, dass die Verbandsgemeinde Altenahr ganz besonders von der Naturkatastrophe getroffen wurde. In Dernau habe es wohl bis zu 16 Tote gegeben. Die Verbandsgemeinde sei auch in ihrer Verwaltungsstruktur zerstört. «Es gibt kein Verwaltungsgebäude mehr.» Keine Computer, keine Karten, kein Einwohnermeldeamt. Er kündigte «Ersatzstrukturen» an: Es sollten Servicebusse eingerichtet werden, die mit Koffern der Bundesdruckerei in die Gemeinden fahren, um neue Papiere auszustellen.

Lewentz sagte, im Prinzip müsse «alles am Schluss auf den Prüfstand. Denn so einen Einsatz hat die Bundesrepublik noch nicht gehabt.» Er berichtete, dass Rheinland-Pfalz bei der Katastrophe teilweise 33 Hubschrauber im Einsatz hatte, die mit Seilwinden bis zu 330 Menschen von Dächern und Bäumen gerettet hätten.

Man müsse im Nachgang auch überlegen, «ob wir mit Geräten nahe genug an möglichen Orten der Katastrophe sind», sagte Lewentz. Die Flut sei im Grunde «genommen ein Tsunami gewesen, der durch das Tal» in hoher Geschwindigkeit geschossen sei. Für künftige Fälle müsse man Strukturen aufbauen, «wo man in dieser neuen Dimension denkt und wo man schneller Dinge aufbauen kann».

Man sei im Innenministerium «schon ziemlich weit in der Beschreibung der Herangehensweise eines Wiederaufbaustabs», sagte Lewentz weiter. «Und das werden wir in den nächsten Tagen und Wochen genau bekanntgeben, wie das geht.» Derzeit sei man auch dabei, «ein Gefühl für die Gesamtschadenssumme des Ahrtals zu erzielen». Man dürfe davon ausgehen, dass die Summe von mehr als acht Milliarden Euro für Hochwasser-Schäden insgesamt wahrscheinlich nicht ausreichen werde.

Der Landrat von Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), sagte, der Kreis habe an Soforthilfen bereits 2,4 Millionen Euro ausgezahlt. «Es ist bei uns im Kreis unermessliches Leid geschehen.»

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