Zahl der Vermissten im Ahrtal hat sich halbiert

26.07.2021 Weitaus weniger Schicksale als bislang vermutet sind nach der Flutkatastrophe im Norden von Rheinland-Pfalz noch ungeklärt. Doch die Zahl der Vermissten bleibt hoch. Fortschritte vermeldet der Krisenstab beim Wegräumen der Trümmer.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz spricht in Mainz. Foto: Andreas Arnold/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Zahl der Vermissten nach der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal hat sich von 149 auf 74 Fälle praktisch halbiert. Gelungen sei dies nach Untersuchungen der Polizei teils in Zusammenarbeit mit Kollegen in anderen Bundesländern und in Nachbarstaaten, teilte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Montag in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit.

Von den noch vermissten Menschen hätten 59 ihren Wohnsitz in Rheinland-Pfalz, 15 seien in anderen Bundesländern gemeldet. 16 haben laut Lewentz eine ausländische Staatsangehörigkeit. Unmittelbar nach den verheerenden Unwettern von Mitte Juli habe sich die Zahl von Hinweisen und Anfragen nach gesuchten Personen auf 5824 belaufen.

Die Zahl der Toten blieb mit 132 weiter konstant. 68 Personen seien inzwischen eindeutig identifiziert worden, sagte Lewentz. Die Identifizierung der Toten sei teils eine große Herausforderung, da sie nicht mit bloßer Inaugenscheinnahme möglich sei. In vielen Fällen seien ein Zahn- und ein DNA-Abgleich notwendig.

Der Krisenstab meldete erste Erfolge bei der Beseitigung des Abfalls. Am Sonntag sei die doppelte Menge aus der Krisenregion um Bad Neuenahr-Ahrweiler gebracht worden, nachdem der private Verkehr eingeschränkt worden sei, sagte die Leiterin des Stabs, Begoña Hermann, am Montag. Zudem stehe jetzt ein Brückenkonzept, das nach und nach umgesetzt werde. Es sehe zunächst vor, die bisherigen drei Notbrücken in Rech, Liers und Insul durch provisorische Brücken zu ersetzen. Außerdem werde die Post in weiten Teilen wieder zugestellt.

Laut Lewentz wurde die Verbandsgemeinde Altenahr ganz besonders von der Naturkatastrophe getroffen. In Dernau habe es wohl bis zu 16 Tote gegeben. Die Verbandsgemeinde sei auch in ihrer Verwaltungsstruktur zerstört. Dort sollten Servicebusse eingerichtet werden, die mit Koffern der Bundesdruckerei in die Gemeinden fahren, um neue Papiere auszustellen.

Lewentz sagte, im Prinzip müsse «alles am Schluss auf den Prüfstand. Denn so einen Einsatz hat die Bundesrepublik noch nicht gehabt.» Er berichtete, dass Rheinland-Pfalz bei der Katastrophe teilweise 33 Hubschrauber im Einsatz hatte, die mit Seilwinden bis zu 330 Menschen von Dächern und Bäumen gerettet hätten.

Man müsse im Nachgang auch überlegen, «ob wir mit Geräten nahe genug an möglichen Orten der Katastrophe sind», sagte Lewentz. Die Flut sei im Grunde «genommen ein Tsunami gewesen, der durch das Tal» in hoher Geschwindigkeit geschossen sei. Für künftige Fälle müsse man Strukturen aufbauen, «wo man in dieser neuen Dimension denkt und wo man schneller Dinge aufbauen kann».

Mehr als 3000 Haushalte im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz haben bislang einen Antrag auf Soforthilfe des Landes gestellt. «Wir gehen davon aus, dass in der Mitte dieser Woche erste Auszahlungen erfolgen können», sagte ein Sprecher des Statistischen Landesamts in Bad Ems, das die Abwicklung der Anträge für den am schwersten betroffenen Landkreis Ahrweiler übernommen hat.

Hochwasser-Geschädigte in Trier-Ehrang stellten bisher mehrere Hundert Anträge auf Soforthilfe des Landes. Dort kümmert sich das Amt für Soziales und Wohnen in Trier um die Abwicklung. Insgesamt rechne die Stadt mit 2000 Anträgen. Die Soforthilfe des Landes soll akute Notlagen überbrücken. Sie dient dazu, kurzfristig Geld für das Nötigste zu haben. Sie ist nicht als Aufbauhilfe gedacht oder zur Abdeckung entstandener Schäden.

Die Unwetterkatastrophe hat nach Angaben des Sozialministeriums auch Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe sowie die entsprechenden ambulanten Dienste, Tagespflegen, Tagesförderstätten und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen hart getroffen. Einige Heime sind den Angaben nach derzeit unbewohnbar, Bewohnerinnen und Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden und in andere Einrichtungen umziehen. Minister Alexander Schweitzer (SPD) teilte mit, dass zur Vermittlung von Fach- und Hilfskräften der gemeinsam mit der Landespflegekammer eingerichtete Freiwilligenpool auf die Unterstützung in der Fluthilfe ausgeweitet worden sei.

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