Kirchen schrumpfen weiter: «Schmerzt sehr»

14.07.2021 Die großen Kirchen in Deutschland haben 2020 erneut viele Mitglieder verloren - auch wenn sich die Zahl der Austritte verringert hat. Die Entwicklung ist auch an regionalen Daten ablesbar.

Ein Kirchenkreuz. Foto: picture alliance / dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Rheinland-Pfalz und im Saarland haben Tausende Menschen christlichen Glaubens im vergangenen Jahr den Kirchen den Rücken gekehrt. Das geht aus den am Mittwoch veröffentlichten Statistiken hervor. Allerdings traten im Corona-Jahr 2020 in Deutschland deutlich weniger Menschen aus der Kirche aus. Bei den Katholiken sank die Zahl der Austritte im Vergleich zu 2019 um 18,8 Prozent auf 221 390. Aus der evangelischen Kirche traten vergangenes Jahr 220 000 Menschen aus, 18 Prozent weniger als 2019.

«Hinter jedem einzelnen Kirchenaustritt steht ein Mensch, der von der Kirche in welcher Form auch immer enttäuscht worden ist», sagte der Generalvikar im BISTUM TRIER, Ulrich Graf von Plettenberg. «Das schmerzt sehr!» Im Bistum Trier ist die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahr um 24 400 gesunken. Das sei ein Rückgang um rund 1,9 Prozent gegenüber 2019. 10 836 Menschen traten aus (2019: 13 850).

Die Zahl der Kirchenaustritte im BISTUM MAINZ lag 2020 bei rund 8500 (2019: 9900). Demnach zählten zum Jahreswechsel knapp 687 000 Gläubige zur Diözese von Bischof Peter Kohlgraf. Das waren rund 16 000 Menschen weniger als 2019. Das Gebiet des Bistums liegt zu etwa einem Drittel in Rheinland-Pfalz und zu etwa zwei Dritteln in Hessen.

Angesichts erneut vieler Kirchenaustritte auch im BISTUM SPEYER sieht Generalvikar Andreas Sturm grundlegende Änderungen in der Kirche als dringend notwendig. Im Bistum sank die Mitgliederzahl gegenüber 2019 um rund 10 500 (etwa 2,1 Prozent) auf rund 497 000. Hauptursache seien Kirchenaustritte: 5275 Menschen hätten die katholische Kirche in der Pfalz und im Saarpfalzkreis 2020 verlassen (2019: 6400).

Auch das BISTUM LIMBURG verlor Tausende Mitglieder. So gehörten zum Jahresende rund 580 000 Katholiken zu der Diözese des Limburger Bischofs und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing - etwa 13 000 Gläubige weniger als 2019. Knapp 8200 Menschen erklärten ihren Austritt. Das Bistum Limburg erstreckt sich über Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz.

Die Corona-Pandemie wirkte sich im vergangenen Jahr auch auf die Mitgliederzahlen der EVANGELISCHEN KIRCHE IN HESSEN UND NASSAU aus. Insgesamt verzeichnete die EKHN zum Stichtag 31. Dezember rund 1,45 Mitglieder - 2,5 Prozent weniger als 2019. Im vergangenen Jahr sanken die Kirchenaustritte um zwölf Prozent auf gut 18 000. Die EKHN erstreckt sich über Teile Hessens und Rheinland-Pfalz.

Auch die EVANGELISCHE KIRCHE DER PFALZ verlor Tausende Mitglieder. Insgesamt lag die Mitgliederzahl zum Jahreswechsel bei knapp 483 000, das waren etwa 12 000 weniger als noch ein Jahr zuvor. Die Zahl der Austritte lag mit rund 4900 um fast 17 Prozent niedriger als 2019. «Wir werden weniger, und das bleibt eine Herausforderung der nächsten Jahre», sagte Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst. Das Kirchengebiet erstreckt sich über Teile von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes.

Die EVANGELISCHE KIRCHE IM RHEINLAND zählte am 31. Dezember 2020 rund 2,4 Millionen Mitglieder (2019: 2,45 Mio.). Die Zahl der Austritte sank auf 22 100 (2019: 29 373). Die Zahl sei zwar um etwa ein Viertel niedriger, sagte Präses Thorsten Latzel, doch bedeute jeder einzelne Kirchenaustritt einen Verlust. Die Evangelische Kirche im Rheinland erstreckt sich über Gebiete in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen.

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