Impfaktion für Studierende, eine Studie und mehr Infektionen

07.07.2021 Die Impfungen gegen das Coronavirus sollen bald viel unbürokratischer möglich sein. Die Landesregierung will mit Sonderaktionen stärker auf die Menschen zugehen. Besonders gefährdet sind nach einer Studie Menschen mit stark gesunkenem Einkommen, in engen Wohnverhältnissen.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) steht auf dem Uni-Campus vor Studenten. Foto: Boris Roessler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Infektionen nehmen wieder zu, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Sieben-Tage-Inzidenz sei weiterhin ein wichtiger Hinweis, aber werde künftig nicht mehr der einzig Entscheidende sein, sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). «Wenn wir die Deltavariante bekämpfen und einen Lockdown im Herbst verhindern wollen, müssen 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sein.» Bei den Über-60-Jährigen sollten es nach Möglichkeit rund 90 Prozent sein. Ein Überblick:

IMPFUNGEN: Dreyer rechnet damit, dass die Impfungen gegen das Coronavirus bald viel unkomplizierter zu haben sind. «Es ist nur noch eine Frage von Tagen, bis wir genügend Impfstoff haben. Das ist ein echter Wendepunkt.» Dann könnten viele schnell und unbürokratisch geimpft werden. «Wir wollen stärker mit den Impfungen da hingehen, wo Menschen zusammenkommen.» Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) nannte neben Stadtteilen, Supermärkte und Parkplätze vor Diskotheken als Möglichkeit. «Wir wollen die Menschen ansprechen, sie ermuntern und aufklären. Wir werden noch mehr aufsuchende Angebote machen. Denn wir haben festgestellt, dass für manche der Weg zum Impfzentrum eine hohe Hürde ist.»

DIE GUTENBERG COVID-19-STUDIE DER UNIMEDIZIN MAINZ habe gezeigt, dass das Risiko für Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status - der auf der Basis des Haushaltsnettoeinkommens sowie der schulischen und beruflichen Bildung ermittelt wird - besonders hoch ist. Zugleich ist ihre Impfbereitschaft und damit die Quote im Vergleich niedriger. Sie haben in der Pandemie auch besonders hohe Einnahmeverluste hinnehmen müssen.

Mehr als 40 Prozent aller mit dem Coronavirus Infizierten wissen der Studie zufolge nichts von ihrer Infektion. Die Forscher hatten Infektionen in Mainz und dem angrenzenden Kreis Mainz-Bingen analysiert. Zu zehn Personen, die wissentlich infiziert sind, müssten rund acht Personen hinzugerechnet werden, die unwissentlich infiziert sind, sagte der Koordinator der Gutenberg Covid-19-Studie, Philipp Wild, am Mittwoch in Mainz. Männer seien (44,2 Prozent) im Vergleich zu Frauen (40,6 Prozent) häufiger unwissentlich mit Sars-CoV-2 infiziert - auch ältere Menschen häufiger als Jüngere.

STAND DER IMPFUNGEN: Mehr als 3,7 Millionen Impfungen seien bisher gesetzt worden, davon etwa 2 Millionen in den 32 Impfzentren. «Insgesamt haben mehr als 2,2 Millionen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer ihre Erst-, mehr als 1,5 Millionen ihre Zweitimpfung erhalten.» Die Quoten seien gut, aber noch nicht ausreichend. Rund 57,8 Prozent der Rheinland-Pfälzer haben laut Robert Koch-Institut bis einschließlich Montag ihre erste Impfung bekommen. Das sind etwas mehr als im Bundesdurchschnitt von 56,8. Bei den Zweitimpfungen liegt das Bundesland mit 37,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 39,3.

INFEKTIONSZAHLEN: Die Zahl nachgewiesener Corona-Fälle ist binnen 24 Stunden um 54 gestiegen. Aktuell sind 1173 Menschen im Bundesland mit dem Coronavirus infiziert, wie am Mittwoch das Landesuntersuchungsamt in Koblenz mitteilte (Stand 14.10 Uhr). Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner stieg auf 6,3 nach 6,2 am Vortag. Nach einer Phase mit sinkenden Werten hatte die Inzidenz vergangene Woche mit 5,0 den niedrigsten Wert seit vielen Monaten erreicht. Seitdem steigt die Kurve wieder leicht. Die Zahl der Menschen, die in Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind, betrug unverändert 3894.

SONDERIMPFAKTION: Lange Schlangen bei der Sonderimpfaktion für Studierende, Azubis und andere junge Menschen im Alter von 18 bis 27 Jahren. Auf dem Mainzer Universitätscampus stellten sich die ersten jungen Leute schon um 6.00 Uhr an, um den Piks mit Biontech zu bekommen, zwei Stunden vor Beginn der Impfungen, wie der rheinland-pfälzische DRK-Vorstand Manuel Gonzalez sagte. Die Wartezeit in der Schlange bis zur Spritze habe schnell zwei Stunden betragen. «An den anderen Standorten sieht es ähnlich aus.» Bis zu 1000 junge Menschen sollten am ersten Tag an den sechs Standorten in Kaiserslautern, Koblenz, Landau, Ludwigshafen, Trier und Mainz gegen das Coronavirus geimpft werden. In Koblenz wurde wegen freier Termine die Altersbegrenzung aufgehoben.

Die Landesregierung hat für die einwöchige Aktion rund 30 000 Dosen zur Verfügung gestellt: Pro Standort 5000 Dosen und pro Tag rund 1000. Die Zweitimpfungen sollen in fünf Wochen folgen.

© dpa-infocom GmbH

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