Von Grundschule bis Campingurlaub: Rheinland-Pfalz lockert

09.06.2021 Bis zu 500 Zuschauer bei Open-Air-Veranstaltungen im Sport und der Kultur sowie Jugendfreizeiten und größere private Feiern. Rheinland-Pfalz lockert die Corona-Regeln in zwei Schritten und unterstützt Familien, Kinder und Jugendliche mit Bildungs- und Spaßangeboten.

Passagiere schauen aus der Seilbahn Koblenz auf den Rhein und das Deutsche Eck. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Grundschüler und Grundschülerinnen dürfen ohne Maske in die Pause, Jugendfreizeiten werden gefördert und es gibt wieder eine Sommerschule und Deutschkurse. Dazu kommen in zwei Schritten zahlreiche Lockerungen bei Sport, Kultur und Freizeit. Bis zu 500 Zuschauer sind draußen wieder möglich. Die ersten Regelungen greifen vom 18. Juni an. Der zweite Schritt ist am 2. Juli geplant. Das hat die rheinland-pfälzische Landesregierung beschlossen und am Dienstag in Mainz vorgestellt. Ein Überblick:

SCHULEN UND KITAS: Für Grund- und Förderschüler entfällt von Montag an die Maskenpflicht in den Pausen. Wie geplant gibt es in allen Klassen von 14. Juni an wieder Unterricht für alle in der Schule. Für die Kitas sollen vom 21. Juni an die festen Gruppen wieder wegfallen und somit mehr Öffnung möglich werden, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Dienstag in Mainz.

INZIDENZEN UND ÖFFNUNGSSCHRITTE: Es gibt zwei Öffnungsschritte. Einen ab 18. Juni und einen ab 2. Juli. Dabei wird unterschieden zwischen einer Inzidenz unter 100 und unter 50. Derzeit sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz aber kontinuierlich auf zuletzt landesweit 20,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, so dass vor allem die Regeln unter 50 interessant sind. «Wenn die Zahlen rasant weiter abnehmen, werden wir Mitte Juni schauen, ob es noch weitere Perspektiven gibt», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

ÖFFNUNGSSCHRITT EINS: Von 18. Juni an gilt bei einer Inzidenz von unter 50: Private Feiern im Freien sind mit bis zu 50 Menschen möglich, innen mit bis zu 25 und Test. Danach hätten gerade viele Paare gefragt, die heiraten wollten, sagte Dreyer. Alle Sportarten sind für bis zu 50 Menschen draußen wieder erlaubt. Innen können bis zu 20 Menschen Sport treiben, ab 15 Jahren ist ein Test notwendig. Geimpfte und Genesene werden nicht mitgezählt. Kultur und Sport werden gleichgestellt. «Wir ermöglichen Profis und Laien wieder mehr Aktivität», sagte Dreyer. Bei der Zahl der Zuschauer gilt für Sport und Kultur: Innen bis zu 250 mit Test, im Freien bis zu 500. Public Viewing zur EM zählt als Außenveranstaltung.

Freizeiteinrichtungen dürfen innen mit Test und Personenbeschränkung wieder öffnen. Schwimm-, Spaßbäder und Thermen können wieder öffnen. Campingplätze sind wieder für alle nutzbar, Gemeinschaftsumkleiden sind auch beim Sport wieder offen. Jugendfreizeiten mit Übernachtung können wieder stattfinden. Ob der Einzelhandel wieder mehr Menschen pro Quadratmeter einlassen darf, werde geprüft.

Wenn die Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt dürfen sich drin und draußen nur maximal 25 Menschen zu privaten Veranstaltungen treffen, drinnen mit Test. Sport und Kultur werden auf 30 Leute draußen und 10 drinnen beschränkt. Die Zahl der erlaubten Zuschauer ist mit maximal 250 außen und 100 innen deutlich beschränkt.

ÖFFNUNGSSCHRITT ZWEI: Von 2. Juli an wird bei einer Inzidenz unter 100 die Kontaktbeschränkung von derzeit fünf auf maximal zehn Personen ausgeweitet. Zu privaten Veranstaltungen können bis zu 75 Menschen innen (mit Test) und außen zusammen kommen. Bei Sport und Kultur gilt: 50 Menschen im Freien, innen 30 mit Test. Die Zahl der Zuschauer wird innen auf 350 mit Test erhöht.

Fachmessen, Spezial- und Flohmärkte sind mit Auflagen wieder möglich. Bus- und Schiffsreisen werden mit Maske, Test und maximal 50 Prozent Belegung wieder erlaubt. Ob Bordelle dann wieder öffnen können, werde noch geprüft.

Bei einer stabilen Inzidenz von unter 50 ist noch etwas mehr möglich: Private Veranstaltungen im Freien sind dann wieder mit bis zu 100 Menschen erlaubt. Indoor-Sport geht für bis zu 50 Menschen mit Test und einer Begrenzung von einer Person pro zehn Quadratmetern.

BILDUNGS- UND FREIZEITPROGRAMM FÜR KINDER, JUGENDLICHE UND FAMILIEN:

Dafür stellt die Landesregierung insgesamt 80 Millionen Euro bereit, das sind 17 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dazu kommen in diesem Jahr 21 Millionen und im nächsten 43 Millionen Euro vom Bund. «Die Landesregierung weiß ganz genau, was die Pandemie für Kinder, Jugendliche und Familien bedeutet hat», sagte Dreyer. «Wir strengen uns an, sie mit sehr viel Geld zu unterstützen.» Bildungsministerin Hubig sagte: «Es gibt viel zu tun und wir haben ein Riesenpaket geschnürt.»

SCHUL- UND BILDUNGSANGEBOTE: In den beiden letzten Wochen der großen Ferien wird es wie im vergangenen Jahr wieder eine Sommerschule geben - diesmal nicht nur für Deutsch und Mathe, sondern möglichst auch für Englisch. Die 9. Klassen werden mit einbezogen.

Dazu kommen Kurse für Kinder, die ihre Deutschkenntnisse vertiefen wollen. Programme wie «Keiner ohne Abschluss» und qualifizierte Hausaufgabenhilfe würden ausgebaut. Die Schulen bekämen höhere Budgets, damit sie sich außerschulischer Partner bedienen könnten, sagte Hubig. Dazu zählten bereits die Volkshochschulen mit ihren zusätzlichen Lernangeboten.

Es werde mehr Schulsozialarbeit geben und die Ganztagsschulen sollen mit insgesamt 1500 Stellen aus den Freiwilligen Diensten unterstützt werden.

Im neuen Schuljahr sollen insbesondere die Schüler in den Blick genommen werden, die von den Grundschulen auf die weiterführenden Schulen wechseln oder vor einem Schulabschluss stehen.

FREIZEITANGEBOTE: Familieninstitutionen und Jugendfreizeiten werden unterstützt, finanziell gefördert und die Familien bei Ferien in Jugendherbergen und ähnlichen Einrichtungen unterstützt, kündigte die Jugend- und Familienministerin Katharina Binz (Grüne) an. Damit solle Kindern, Jugendlichen und Familien nach den Anstrengungen der Pandemie eine Auszeit ermöglicht werden.

VOLKS-, WEIN- UND WURSTFESTE: Dazu will Dreyer bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag eine bundeseinheitliche Regelung erreichen.

APPELL: Dreyer appellierte an die Bürger und Bürgerinnen, sich trotz der sinkenden Zahl der Neuinfektionen weiterhin an die Regeln zu halten und auch Abstände von sich aus einzuhalten, wo möglich. Noch immer seien etwa 75 Prozent der Menschen nicht vollständig geimpft und der Impfstoff knapp.

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