Marx: Eigenes Verhalten in Missbrauchsfall untersuchen

28.04.2021 Der ehemalige Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, hat sich für die Untersuchung eines Missbrauchsfalls aus seiner Zeit als Bischof von Trier ausgesprochen. «Für mich ist klar: Auch Unwissenheit bei falschem Handeln bzw. Unterlassen verhindert nicht, dass Verantwortung und auch Schuld vorliegen und übernommen werden müssen», teilte der heutige Erzbischof von München und Freising der «Zeit»-Beilage «Christ & Welt» schriftlich mit. «Eine genauere Untersuchung des gesamten Falls sollte das meines Erachtens klären.» Ein Sprecher des Erzbistums München und Freising bestätigte die Antworten, die der Kardinal der «Zeit»-Beilage gegeben hatte.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Christ & Welt» hat für einen Artikel in der jüngsten Ausgabe den bereits bekannten Fall eines Priesters, der sich an Minderjährigen vergangen haben soll, aufgearbeitet und Marx' Rolle darin untersucht. Dafür legten die Autoren Kirchenrechtlern ihre Informationen über den Fall vor und baten um eine Bewertung nach den Kriterien, die auch bei dem jüngst veröffentlichten, viel beachteten Kölner Missbrauchsgutachten angelegt wurden und dazu führten, dass zwei Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt anboten und ein dritter wegen Pflichtverletzung beurlaubt wurde.

Marx hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Dienstag darum gebeten, ihm das Bundesverdienstkreuz, das er in dieser Woche bekommen sollte, nicht zu verleihen. Zuvor hatte der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln an den Bundespräsidenten appelliert, die Auszeichnung vorerst nicht vorzunehmen. Ein Sprecher von Kardinal Marx betonte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in München: «Es gibt keinen Zusammenhang zwischen diesem Bericht und dem Verzicht auf das Bundesverdienstkreuz.»

«Christ & Welt» hatte Marx den Angaben zufolge am 13. April mit dem Fall eines Pfarrers im Saarland konfrontiert, über den er 2006 in
seinem früheren Amt als Bischof von Trier entschieden hatte.
Darauf habe er geantwortet: «Aus heutiger Sicht hätte ich veranlassen müssen, dass wir – auch um zu prüfen, ob der Vorwurf auch kirchenrechtlich verjährt ist – als Bistum die Akte der
Staatsanwaltschaft anfordern und die Vorwürfe in einer
eigenen kirchenrechtlichen Voruntersuchung verfolgen». Dass
dies unterblieb, sei falsch gewesen. «Mein Verhalten damals
bedauere ich sehr», zitiert «Christ & Welt» den Kardinal. Auf die Frage, ob er Taten hätte verhindern können, habe Marx geantwortet: «Die Frage geht auch mir nach.»

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