Trotz Stopp für Astrazeneca kann noch weiter geimpft werden

16.03.2021 Rheinland-Pfalz kann einen Teil der geplanten Impfungen mit Astrazeneca durch andere Präparate ersetzen. Wie sehr sich das Impftempo jetzt verlangsamt, ist noch offen. «Wir haben immer noch viel, viel zu wenig Impfstoff», sagt Ministerpräsidentin Dreyer.

Eine Mitarbeiterin des Impfteams überprüft eine Spritze. Foto: Thomas Frey/dpa Pool/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Obwohl die Corona-Schutzimpfungen mit Astrazeneca gestoppt sind, kann in den 32 rheinland-pfälzischen Impfzentren noch einige Zeit weiter in Oberarme gepikst werden. Alle rund 43 000 Rheinland-Pfälzer, die bis zum 10. April einen Termin haben, werden auch geimpft - mit Biontech oder Moderna, wie Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) am Dienstag in Mainz sagte. Die rund 5300 Termine für Impfungen mit Astrazeneca an diesem Dienstag mussten allerdings ausfallen. Die Betroffenen bekämen aber zeitnah einen neuen Termin für eine Impfung mit einem anderen Präparat, versprach die Ministerin.

Weitere 100 000 geplante Spritzen mit den Vakzinen von Moderna oder Biontech würden wie geplant gesetzt. Angehörige der Gruppe mit der höchsten Priorität beim Impfen - also etwa über 80-Jährige und Beschäftigte von Pflegediensten - könnten auch weiterhin Termine in den Impfzentren bekommen, weil mehr Biontech-Impfstoff geliefert werde als zunächst geplant.

Allerdings können in den Impfzentren derzeit keine Termine für Menschen der Gruppe mit der Priorität zwei vergeben werden; also etwa für 70- bis 79-Jährige, Kontaktpersonen von Schwangeren und Menschen mit bestimmten chronisch Erkrankungen. Dies betrifft aber nicht ihre grundsätzliche Registrierung im Impfpool.

Von dem Stopp der Impfungen mit Astrazeneca seien auch die Impfungen in den Krankenhäusern, bei der Polizei, im Justizvollzug und den mobilen Teams in der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen betroffen. In den Einrichtungen, die bereits einen Termin für März haben, und in den Landkreisen oder kreisfreien Städten mit einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen werde aber mit Biontech oder Moderna geimpft.

Bisher hätten rund 123 100 Rheinland-Pfälzer ihre erste Spritze mit Astrazeneca bekommen. Die Zweitimpfungen sollten Mitte April beginnen. Dazu werde nun auf die neuen Empfehlungen der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) gewartet. Diese hält den Nutzen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca bis zum Abschluss der laufenden Untersuchungen für größer als die Gefahren.

Deutschland und zahlreiche andere EU-Staaten hatten die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca ausgesetzt. Hintergrund waren Berichte über Blutgerinnsel in zeitlichem Zusammenhang mit dem Impfprozess. Keiner davon trat in Rheinland-Pfalz auf, wie die Gesundheitsministerin sagte.

Von den rund 61 000 Beschäftigten in den Kitas, Grund- und Förderschulen seien bereits 35 700 einmal geimpft, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie hoffe, dass alle bis nach den Osterferien geimpft seien.

Am für den 22. März geplanten Start der Impfung aller bettlägerigen Menschen zu Hause werde auch festgehalten, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Betroffen sind rund 20 000 bis 25 000 Menschen über 80 Jahre. Allerdings könnten Angehörige der Gruppe mit der zweithöchsten Priorität nicht mitgeimpft werden.

«Es ist wichtig, dass Zweifel ausgeräumt werden», sagte Dreyer zum Stopp für Astrazeneca. Denn das Paul-Ehrlich-Institut habe Bedenken angemeldet. Allerdings sei sie sich nicht sicher, ob die Kommunikation dazu «super gelungen ist», kritisierte die SPD-Politikerin. «Es hat uns überraschend und plötzlich getroffen.»

Den Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidentin Markus Söder (CSU), Astrazeneca im Falle einer Wiederzulassung allen Menschen frei zu geben, wies Dreyer zurück. «Wir hatten die ganze Zeit nicht das Problem, den Impfstoff zu verimpfen.» «Wir haben immer noch viel, viel zu wenig Impfstoff.» Astrazeneca spiele beim Impfen eine sehr große Rolle, weil es sehr viel Impfstoff ist und die niedergelassenen Ärzte bei diesem Präprat mit einbezogen werden sollten.

«Das Bundesgesundheitsministerium spricht von einer Vorsichtsmaßnahme», betonte Bätzing-Lichtenthäler. Bislang seien mehr als 1,6 Millionen Menschen mit Astrazeneca in Deutschland geimpft worden. Dabei sei bisher von sieben Fällen einer seltenen Art von Hirnvenen-Thrombosen berichtet worden. Wer bereits mit Astrazeneca geimpft wurde und sich bis zu zwei Wochen danach zunehmend unwohl fühle, starke Kopfschmerzen oder punktförmige Hautblutungen habe, solle unverzüglich zum Arzt gehen.

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