Störche überwintern am Niederrhein: Bestände nehmen zu

05.12.2021 Immer wieder sparen sich Weißstörche den langen Weg zum Überwintern bis Afrika. Auch in diesem Jahr wurden am Niederrhein schon etliche «Nesthocker» gesichtet, die nicht weggeflogen sind. Wenn es im Winter allerdings wochenlang schneien sollte, müssen auch sie noch los.

Weißstörche suchen auf einer Wiese am Niederrhein nach Futter. Foto: Roland Weihrauch/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auch in diesem Jahr überwintern wieder Störche am Niederrhein, statt in wärmere Gebiete auf der iberischen Halbinsel oder nach Afrika zu fliegen. Der Vorsitzende der Stiftung Störche NRW, Hans Glader, bestätigte entsprechende Beobachtungen von Anwohnern in Voerde bei Wesel. Nachbarn hatten dort etwa 10 bis 15 Tiere gesehen. «Da überwintern seit Jahren immer wieder Störche.» In der Nähe ist ein Müllbeseitigungsunternehmen mit großen Containern. Dort fänden die Vögel Nahrung, sagte er.

Der Flug bis nach Afrika sei für die Großvögel anstrengend und gefährlich - vor allem die Überquerung der Meerenge von Gibraltar. Es gebe deshalb immer wieder mutige «Pioniere», die sich diesen Weg sparten, in NRW blieben und auf einen milden Winter setzten. Vor einigen Jahren habe die Stiftung die überwinternden Störche gezählt. Da seien es NRW-weit etwa 80 gewesen. Zahlen von diesem Winter habe er noch nicht, sagte der Stiftungschef.

Die Störche fliegen normalerweise zu Winterbeginn, da sie bei längeren Phasen mit schneebedecktem Boden keine Mäuse und Regenwürmer mehr jagen können, sagte Glader. Lange Schneephasen sind aber in NRW selten geworden. Wenn es dann doch länger schneien sollte, hätten die Tiere meist noch genug Reserven, wenigstens bis Südfrankreich oder Spanien aufzubrechen. Vereinzelt gebe es aber auch Fälle, in denen Überwinterer in NRW verhungert seien. Die Tierschützer lehnen Fütteraktionen in solchen Fällen strikt ab.

Über das Gesamtjahr betrachtet, entwickelten die Storchenbestände sich positiv, sagte Glader. Allein im Vogelgebiet auf der Bislicher Insel am Niederrhein hätten in diesem Jahr zahlreiche Paare gebrütet. Weitere NRW-Storchengebiete liegen demnach im Kreis Minden-Lübbecke, im Paderborner Land, bei Soest und in Münster.

Die NRW-weite Storch-Population in diesem Jahr werde nach den Beobachtungen der vergangenen Monate gerade ermittelt. Die Zahl sei noch nicht gesichert, aber es seien «deutlich über 400», sagte Glader. Die Bestände wüchsen weiter, obwohl die immer zahlreicheren riesigen Windkraftanlagen für die Tiere eine neue Gefahr bringen. Noch Anfang der 1990er Jahre habe es NRW-weit gerade einmal drei Brutpaare gegeben.

Dass die Bestände sich weiter so positiv entwickelten, sei auch ein Ergebnis des Landschaftsschutzes in Nordrhein-Westfalen und einer teils naturnahen Landwirtschaft, sagte der Chef der NABU-Kreisgruppe Wesel, Peter Malzbender. Wo Kühe noch weiden dürften und Kuhfladen hinterließen, fänden Insekten Nahrung, Nager lebten von den Insekten und Störche wiederum von den Mäusen und Ratten sowie Regenwürmern. In Ostdeutschland gingen die Bestände dagegen derzeit wegen der intensiv betriebenen Landwirtschaft in Großbetrieben zurück.

Schon ab Mitte Februar könnten die ersten nach Süden geflogenen Störche wieder zurückkommen, sagte Glader. Das seien in der Regel Tiere, die schon in Spanien oder Portugal gestoppt hätten und nicht bis Afrika weitergeflogen seien. Die aus Afrika zurückfliegenden Tiere brauchen länger für den Rückweg und kommen deshalb meist erst Ende März oder im April wieder in Nordrhein-Westfalen an.

© dpa-infocom GmbH

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