Karneval in Köln mit 2G: Lauterbach warnt vor «Riesengefahr»

08.11.2021 Am Donnerstag wollen viele Karnevalisten den 11.11. feiern, doch gleichzeitig spitzt sich die Pandemie-Situation immer weiter zu. Die Stadt Köln zieht Konsequenzen. Karl Lauterbach fürchtet dennoch ein Superspreader-Event.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in Berlin. Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wenige Tage vor Beginn der Karnevalssaison am 11.11. hat die Stadt Köln die Regeln angesichts stark gestiegener Corona-Zahlen noch einmal verschärft. Die öffentlichen Feiern zum Karnevalsauftakt am Donnerstag werden nun auf Geimpfte und Genesene (2G) beschränkt. Das NRW-Gesundheitsministerium in Düsseldorf genehmigte ein entsprechendes Vorgehen.

In den abgesperrten Bereichen der Kölner Altstadt und im Zülpicher Viertel gilt nun nicht mehr 3Gplus, sondern 2G. Auch bei allen Saalveranstaltungen und in den Kneipen ist 2G verpflichtend. Der Krisenstab der Stadt Köln beschloss dies in einer Sondersitzung. «Angesichts der weiter steigenden Infektionszahlen und der Situation auf den Intensivstationen haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen», teilte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) mit. «Es werden zahlreiche Maßnahmen seitens der Stadt, der Veranstalter und der Gastronomie ergriffen, um ein möglichst sicheres Feiern zu ermöglichen. Uns allen ist aber klar, dass es keine absolute Sicherheit geben kann.»

Anträge aus anderen Städten lagen dem Gesundheitsministerium am Montag noch nicht vor. In Düsseldorf gilt am 11.11. für «Hoppeditz-Erwachen» auf dem Rathausplatz ebenfalls 2G.

Der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürchtet dennoch, dass der Karneval zu einem «Superspreader-Event» werden kann. Auch mit 2G seien Veranstaltungen in Innenräumen eine «Riesengefahr», sagte Lauterbach der Deutschen Presse-Agentur. Seine Folgerung: «Deshalb ist jede abgesagte Karnevalsveranstaltung im Innenraum eine gute Veranstaltung. Denn sie schützt Leben.»

Auch wenn für Saalveranstaltungen 2G gelte, schaffe das keine wirkliche Sicherheit, weil der Impfschutz bei vielen schon nachlasse. «Jeder, der in einen Innenraum geht, muss mit einem Impfdurchbruch rechnen», warnte Lauterbach. «Diese Impfdurchbrüche darf man nicht unterschätzen. Zum Glück ist es so, dass die ganz schweren Verläufe nicht so häufig sind. Aber dennoch sind viele Impfdurchbrüche schwerer, als der Laie sich das vorstellt. Sie können auch zu Long Covid führen.»

Die Pandemie sei zurzeit wie eine Kerze, die von zwei Enden her brenne. «Von unten brennt sie, weil viele immer noch nicht geimpft sind. Von oben brennt sie, weil die bereits Geimpften den Impfschutz verlieren. Das ist die Lage, in der wir uns derzeit befinden.»

Der frühere CDU-Politiker Wolfgang Bosbach (69) setzt dagegen auf 2G und strikte Einlasskontrollen. «Wegen der Sitzungen würde ich mir nicht so große Sorgen machen wie wegen der Bälle», sagte Bosbach der Deutschen Presse-Agentur. Damit das Gedränge dort auf der Tanzfläche nicht zu groß werde, empfehle es sich möglicherweise, nicht so viele Karten zu verkaufen wie sonst.

Der organisierte Karneval sei bisher sehr verantwortungsbewusst mit Corona umgegangen, sagte Bosbach. «Wir haben ja voriges Jahr alles abgesagt.» Jetzt sei die Lage aber anders, da die Mehrheit der Bevölkerung geimpft sei.

Für ihn selbst gelte: «Ich verhalte mich zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch genauso wie zwischen Aschermittwoch und dem 11.11. auch, nämlich sehr vernünftig und verantwortungsbewusst auf der einen Seite, aber ich habe auch nicht vor, mein Leben allein durch Corona bestimmen zu lassen.»

Der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn hatte der Deutschen Presse-Agentur in der vergangenen Woche gesagt, er rechne mit einer in weiten Teilen vollwertigen Karnevalssaison. «Selbst wenn die Inzidenzen in die Hunderte gehen sollten, heißt das nicht unbedingt, dass die Krankheitsverläufe weitreichende Einschränkungen für Geimpfte und Genesene rechtfertigen», sagte Kuckelkorn. Viele Menschen freuten sich, dass es jetzt endlich wieder losgehe. «Nach all den Entbehrungen der Coronazeit, vor allem auch den menschlichen Entbehrungen - das Fehlen von Gemeinschaftserlebnissen, auch von körperlicher Nähe -, haben sie das ganz starke Bedürfnis, jetzt mit aller Macht Karneval zu feiern.»

Unterdessen wächst der Druck auf die Landesregierung, 2G jenseits des Karnevals flächendeckend unter anderem für Veranstaltungen und Gastronomie einzuführen. Die SPD-Fraktion und Grünen-Chefin Mona Neubaur forderten jeweils von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), eine entsprechende Regelung einzuführen. Auch Frank Bergmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, sagte: «Schauen wir auf die aktuelle Entwicklung, halte ich es dringend für geboten, sich nun zeitnah Länder wie Österreich als Vorbild zu nehmen und eine flächendeckende 2G-Regelung sowie eine verbindliche 3G-Regel am Arbeitsplatz einzuführen.»

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