Covid-Patienten getötet: Arzt aus Essen verurteilt

03.11.2021 Ein Arzt soll einem Covid-19-Patienten aus Holland eine tödliche Dosis Kaliumchlorid verabreicht haben. Jetzt ist er verurteilt worden.

Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Christoph Soeder/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein ehemaliger Arzt des Universitätsklinikums Essen ist am Mittwoch wegen Totschlags zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter am Essener Landgericht sind überzeugt, dass der Mediziner einem Covid-19-Patienten aus Holland im November 2020 eine tödliche Dosis Kaliumchlorid verabreicht hat. Der 45 Jahre alte Arzt hatte das im Prozess bestritten. «Wir konnten nichts mehr machen», sagte er den Richtern. Deshalb seien die lebenserhaltenden Geräte in Abstimmung mit den Angehörigen abgestellt worden. Daraufhin sei der Patient gestorben. Medikamente seien nur gegeben worden, um den Sterbevorgang abzumildern. Das sahen die Richter jedoch anders.

Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens hatte in ihrem Plädoyer von aktiver Sterbehilfe gesprochen. Das sei strafbar. Für sie stehe fest, dass der Angeklagte Leiden verkürzen wollte. «Wahrscheinlich, weil er überfordert war.»

Die Ehefrau des 47-Jährigen war am Morgen des 13. November 2020 nach einem Anruf aus Holland angereist, um sich von ihrem Mann zu verabschieden, der zehn Tage zuvor vom niederländischen Venlo nach Essen verlegt worden war. Laut Urteil war ihr suggeriert worden, dass die Situation aussichtslos sei. «Sie haben die Angehörigen angelogen, in dem Sie ihnen gesagt haben, dass der Sterbeprozess unmittelbar bevorsteht», sagte Richter Jörg Schmitt bei der Urteilsbegründung an die Adresse des Angeklagten.

Ein Krankenpfleger hatte damals Alarm geschlagen. Er soll dabei gewesen sein, als der niederländische Patient starb. Der Pfleger hatte vor Gericht bestätigt, dass der Angeklagte dem 47-Jährigen Kaliumchlorid verabreicht hatte. «Wenn der Pfleger nicht gewesen wäre, wäre dieser Fall wahrscheinlich nie vor Gericht gelandet», hieß es beim Urteil.

Bei einer Befragung im Klinikum hatte der Angeklagte die Gabe einer Überdosis Kaliumchlorid laut Urteil auch zugegeben. «Sie haben Ihren Kollegen gesagt, dass Sie das Leid des Patienten beenden wollten», so Schmitt.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

People news

Schauspieler: Ein Mann eckt an: Lars Eidinger wird 46

Sport news

Hauptrunde Europameisterschaft: Deutsche Handballer verlieren gegen Spanien: «Lehrstunde»

People news

Rekordflug: In 156 Tagen um die Welt: 19-Jährige zurück in Europa

Auto news

Minimale Mobilität: Fahrzeuge für den Moped-Führerschein

Internet news & surftipps

Internet: EU-Parlament findet Position zu Gesetz für digitale Dienste

Internet news & surftipps

Datenschutz: Polizei nutzt Corona-Kontakterfassungsdaten für Ermittlungen

People news

New York: Cardi B übernimmt Bestattungskosten für Brandopfer

Internet news & surftipps

Kriminalität: Massive Cyberattacke gegen Internationales Rotes Kreuz

Empfehlungen der Redaktion

Regional nordrhein westfalen

Tod eines Covid-19-Patienten: Arzt bestreitet Injektion

Regional bayern

Tod nach Arzneiverwechslung: Bewährungsstrafen für Pfleger

Regional nordrhein westfalen

Arzt soll Covid-19-Patienten getötet haben: Prozess beginnt

Regional nordrhein westfalen

46-Jähriger ermordet besten Freund: Lebenslange Haft

Regional bayern

Tod nach Arzneiverwechslung: Bewährungsstrafen vorgeschlagen

Regional baden württemberg

Patientinnen missbraucht: Bewährungsstrafe für Arzt

Regional nordrhein westfalen

«Falscher Arzt» aus Impfzentrum zu Haftstrafe verurteilt

Regional berlin & brandenburg

15 Jahre Freiheitsstrafe für Morde an vier Menschen im Heim