Wüst fordert Erhalt der Stahlindustrie in Deutschland

29.10.2021 Gleich in die Vollen: Nur zwei Tage nach seiner Wahl zum neuen NRW-Ministerpräsidenten spricht Hendrik Wüst bei einer IG-Metall-Veranstaltung zu rund 6000 Stahlarbeitern in Duisburg. Und gibt ein Versprechen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst spricht auf der Kundgebung der IG Metall. Foto: Roland Weihrauch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In seinem ersten großen Auftritt als neuer Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens hat sich Hendrik Wüst für den Erhalt der Stahlindustrie in Deutschland ausgesprochen. «Wir müssen alles tun, damit wir in Deutschland auch weiterhin Stahl wettbewerbsfähig produzieren können», sagte der CDU-Politiker am Freitag bei einer Kundgebung der IG Metall vor der Zentrale der Thyssenkrupp-Stahlsparte in Duisburg. Daran nahmen nach Gewerkschaftsangaben rund 6000 Metaller teil. Wüst war erst am Mittwoch zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden.

Es gehe darum, Klimaschutz und Industrie zu versöhnen, sagte der Politiker. «Wenn wir wirklich was fürs Klima tun wollen, dann geht das nur, wenn wir der Welt vormachen, wie man dabei gute Arbeitsplätze, Wohlstand und soziale Sicherheit erhält. Denn sonst macht uns das auf der ganzen Welt keiner nach.»

«Stahl ist nicht das Problem, Stahl ist Teil der Lösung im Klimawandel», so Wüst weiter. «Ohne Stahl keine Windräder, ohne Stahl keine Elektroautos - die Zukunft braucht Stahl und deshalb braucht der Stahl auch Zukunft in Deutschland.»

Die Veranstaltung fand im Rahmen des bundesweiten Aktionstags der Gewerkschaft für einen sozial-ökologischen Umbau der Industrie statt. Bundesweit waren Aktionen in mehr als 50 Städten geplant. Hintergrund sind die erwarteten Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft durch Klimawandel, Digitalisierung und Verschiebungen der globalen Kräfteverhältnisse. Die Gewerkschaft befürchtet unter anderem einen deutlichen Arbeitsplatzabbau im Zuge von Klimaschutzmaßnahmen.

«Die Beschäftigten erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie die soziale und ökologische Gestaltung der Industrie zum Kernprojekt der nächsten Legislaturperiode macht», sagte NRW-Bezirksleiter Knut Giesler. IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner forderte mit Blick auf die Stahlindustrie ein schnelles Handeln der Politik: «In den nächsten Monaten entscheidet sich die Zukunft der Arbeitsplätze in der Stahlindustrie.» Thyssenkrupp-Stahl-Gesamtbetriebsratschef Tekin Nasikkol sagte: «Ich will, dass die Transformation zum «grünen Stahl» hier in Deutschland vollzogen wird und nicht im Ausland.» Es gehe um Tausende von Arbeitsplätzen und den Industriestandort Deutschland.

Besonders in der Stahl- und in der Chemieindustrie sollen durch Wasserstoffprojekte jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2 (Kohlendioxid) eingespart werden. Ziel ist ein klimaneutrale Stahlproduktion - weg von der Kohle hin zu einer CO2-freien Herstellung. Vor allem «grüner» Wasserstoff, für dessen Herstellung Ökostrom eingesetzt wird, soll beim klimafreundlichen Umbau von Produktionsprozessen eine große Rolle spielen.

Wüst sagte, dass nicht nur die Stahlbranche, sondern alle Industrien in NRW vor einem sehr grundlegenden Umbau stünden, bei dem es um hunderttausende Arbeitsplätze gehe. «Kernfrage ist, wie wir durch rechtzeitiges konsequentes Handeln schaffen, dass sich unsere Wirtschaft, hier vor allem die energieintensiven Industrien Stahl, Aluminium, Chemie, Zement, in Richtung Klimaneutralität umstellen und dabei wettbewerbsfähig bleiben. Und dass wir auch in Zukunft sichere, hochmoderne und gut bezahlte Arbeitsplätze in unserem Land haben.»

Wüst beendete seine knapp siebenminütige Rede mit einem Versprechen an die Arbeiter: «Ich stehe dafür, dass wir hier in Nordrhein-Westfalen ein starker Industriestandort bleiben.» Es sei ihm ein Anliegen gewesen, «heute ganz schnell bei Ihnen zu sein, um Ihnen zu sagen: Meine Tür steht offen, Sie können sich auf Ihre, auf meine Landesregierung verlassen.» Seine Rede beendete er mit dem traditionellen Bergarbeitergruß «Glück auf!»

Die Kundgebungen und Aktionen der IG Metall standen unter dem Motto «FairWandel - sozial, ökologisch, demokratisch». In NRW beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben insgesamt 9000 Mitglieder daran. Aktionen gab es demnach auch in Köln, Düsseldorf, Lüdenscheid und Bielefeld.

© dpa-infocom GmbH

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