Girbalda, Eusebia und Loppa: Buchmalerinnen des Mittelalters

25.10.2021 Hochgebildete Frauen, die künstlerisch tätig sind und dabei hier und dort auch ihre Individualität zum Ausdruck bringen - das verbindet man eigentlich nicht dem Mittelalter. Für Frauen galten in der damaligen Männergesellschaft strenge Beschränkungen, und Künstler traten meist völlig hinter ihrem religiösen Werk zurück, so dass oft noch nicht einmal ihre Namen überliefert sind. Das Museum Schnütgen in Köln - eines der international führenden Museen für mittelalterliche Kunst - zeichnet nun jedoch ein anderes Bild.

Blick auf das Museum Schnütgen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In der von diesem Dienstag bis zum 30. Januar kommenden Jahres laufenden Ausstellung «Von Frauenhand» geht es um kostbare mittelalterliche Handschriften. Bücher waren damals ungeheuer wertvoll, weil jedes einzeln abgeschrieben werden musste - es gab noch keine anderen Methoden der Vervielfältigung. Die Arbeit in den Schreibsälen nahm oft Monate in Anspruch. Wie die Kölner Ausstellung dokumentiert, wurde diese äußerst anspruchsvolle Tätigkeit jedoch nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen verrichtet. Während es Frauen zum Beispiel nicht erlaubt war, zu studieren, stand ihnen eine Ausbildung zur Schreiberin oder Buchmalerin durchaus offen.

Die Ausstellung versammelt reich ausgeschmückte und bebilderte Handschriften von Ordensfrauen aus Nordfrankreich, Köln, Niedersachsen und Nürnberg. Die ältesten Bücher sind 1200 Jahre alt. Die Frauen, die sie damals herstellten, haben selbst sichergestellt, dass sie nicht in Vergessenheit gerieten: Am Ende bestimmter Kapitel hinterließen sie einen Namenshinweis. Die hochadeligen Damen hießen zum Beispiel Girbalda, Agleberta oder Eusebia. «Die hatten ein enormes Selbstbewusstsein, die wussten, wer sie sind, sonst hätten die nie gewagt, ihren Namen darunter zu schreiben», erläutert der Kurator Harald Horst. Ihr Kloster in Nordfrankreich wurde aber auch von einer Schwester Karls des Großen geführt.

Die Schreiberin Loppa vom Spiegel aus dem Klarissenkloster St. Klara in Köln verewigte sich 1350 sogar mit einem feuerrot markierten Spruch am Rand der Seite. Eine andere Buchmalerin erlaubte sich den Spaß, einen Nonnen-Kopf auf ein neckisches Fabeltier zu setzen.

Früher wurden die Werke von Frauenhand mitunter als naiv-liebliche «Nonnenmalerei» abgetan. «Das ist aber inzwischen durch die Forschung revidiert worden», betont Kuratorin Karen Straub. Alles andere als lieblich ist zum Beispiel eine geradezu modern anmutende, flott aufs Papier geworfene Federzeichnung, auf der der gekreuzigte Jesus zu sehen ist. Er ist über und über mit Blut überströmt, das von ihm heruntertropft - und nur dieses Blut ist farbig in leuchtendem Rot gehalten. Eine extrem drastische Darstellung.

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